Was du willst.

Als ich viele banale Dinge tat.

Immer noch starren die Person, die ich einst Ruth nannte und ich uns an. Ich sehe ihr Gesicht mittlerweile wieder, aber es ist viel zu hell, strahlend, als hätte sie keine Löcher als Pupillen, sondern kleine Neutronensterne, die mich verblenden. Ich bin wieder nicht im Stande, von ihnen abzusehen. Ich fühle, wie mein Körper auf einmal merkt, dass ich auf der Decke stehe, oder der Boden sich gedreht hat – irgendetwas ist mit den Himmelsrichtungen und der Schwerkraft nicht ganz in Ordnung. Mein Magen es hat jetzt auch gemerkt, und er fühlt sich flau an. Oder ist flau geworden. Was ist das für ein Adjektiv, was soll ich damit tun?

„Mach doch damit was du willst.“, schlägt die Person, die ich einst Ruth nannte, vor.
„Das ist immer deine Lösung, was? Mit der Sprache einfach zu machen, worauf ich Lust habe.“
„Nein. Es ist deine Lösung. Das habe ich mir von dir abgeschaut. Und da ich unter anderem hier bin, um dich beim Schreiben zu beraten, gebe hiermit ich deine eigene best practice an dich selbst weiter.“, grinst die Person.

Mir kommt alles viel zu banal vor. Ich fahre mit dem Bus zum Supermarkt, kaufe meine Einkäufe ein und fahre mit dem Bus wieder zurück. Draußen scheint die Sonne, ich denke nicht allzu viel nach. Meine gute Koch-Idee wurde durch eine noch bessere Idee ersetzt und ich bin sehr zufrieden mit selbst, dass ich eben diese Idee hatte. Ich bin mittlerweile gut darin, nicht mehr einzukaufen, als in meinen Rucksack passt und dennoch von all den tollen Sonderangeboten zu profitieren. Ich wasche Wäsche, bringe meinen Müll runter, spüle das liegengebliebene Geschirr der Woche. Das ist nicht der Samstag, den ich mir vorgestellt habe, aber es ist der Samstag, den ich brauche.

Ich denke wieder über P. nach. Irgendwo war ihr Foto noch, in dem Messenger, in den Handykontakten. Es reicht eigentlich sowieso nur die Ahnung. In Wirklichkeit erkenne ich die Person auf dem Foto kaum wieder. Ich weiß, dass das P. ist, aber ich verbinde nur noch mein eigenes Bild von P. mit dem Namen und den Erinnerungen. Ständig so viel Angst, der Person auf der Straße, in den Öffis, beim Einkaufen zu begegnen und dann würdest du sie vermutlich nicht einmal erkennen. Auch das ist banal. Ich möchte wieder jammern, ich hätte doch schon so viel geschrieben und so viel aufgearbeitet. Aber es nützt nichts, es verfolgt mich weiterhin.

„Vielleicht solltest du doch etwas kaputtschlagen“, sagt die Person, die ich einst Ruth nannte.
Vermutlich hat sie recht.

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