Zurück zum Meer

Als ich über das Schreiben und Stilfragen nachdachte.

Weiße Felsen und azurblaues Meer. An mein Herz, schönes Marseille!

Ich bin immer noch verwundert über den Satz, den ich eben dachte. Irgendwann gab es diesen Punkt in meinem Leben, in dem ich mich dann doch nach morantischer Nähe sehnte. Und nun, da ich eigentlich der Überzeugung bin, dass ich Zusammenkünfte nur mit ganz bestimmten Menschen unter ganz bestimmten Voraussetzungen kann, überrasche ich mich selbst mit dem Wunsch, unter Menschen gewesen zu sein. Es ist ein gutes Zeichen, sich über sich selbst wundern zu können.

Als das Jahr anfing und ich mich selbst überzeugte, dass es eine gute Idee sei, jeden Tag zu bloggen, schrieb ich etwas von ausprobieren, von Stimme finden, von Formen erproben. Und nach nur zwei Monaten habe ich schon wieder das Gefühl, in zwei bis vier Formaten gefangen zu sein. Vielleicht sollte ich doch einfach nur jeden Tag ein Haiku schreiben, aber ich habe noch nie ein Haiku geschrieben und Silben zählen halte ich für eine mühsame Tätigkeit.

Zufällig stieß ich auf einen Text, den ich betrunken schrieb und musste erst ein wenig nachdenken, um rauszufinden, dass ich ihn zum Glück an einem Freitagabend schrieb. In Marseille, dessen Sommerhitze ich vermisse, weil sie Freiheit bedeutete, Selbstständigkeit, untermalt vom ewigen Konzert der Zikaden und Grillen. Er ist nicht sonderlich gut (betrunken schreiben ist selten eine wirkliche gute Idee), aber er hat mich beeindruckt, alleine schon wegen der Länge und der Klarheit. Aber auch, weil er so unbedarft mit Form und Stilmitteln umging.

Ich suchte nach „Writing prompts“ und fand jede Menge Websites, die mir aber alle nicht zusagten, weil zu spezifisch und weniger das „hier hast du drei Stichworte, mach was daraus“-System, das ich vom Storymatic kenne und gerne anwende. Aber der Storymatic steht im Regal, und ich will nicht aufstehen. Das ist oft mein Wochendsmotto. „Ich will nicht aufstehen, ich will eigentlich gar nichts.“ Und dann sitze ich den halben Tag vorm Computer und schneide einen Podcast, als Hobbyprojekt. Und dann blogge ich noch, weil ich mir selbst einen heiligen Eid geschworen habe.

Menschen sind schon komisch.

Foto: CC-BY-SA Spacebirdy/Myndir

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