Nach dem Regen

Als ich aus dem Zugfenster blickte.

Blick aus einem Zugfenster, auf dem Regentropfen zu sehen sind.

Nach dem Regen ist die Aussicht aus dem Zugfenster gewaltig. Der Horizont scheint weiter weg als sonst, in der Ferne türmen sich Wolken auf, das Licht wirkt so anders. In meinen Kopfhörern redet jemand über die Rolle der Gewerkschaften. Ich höre nicht so ganz hin. Ich muss an die Busfahrt denken, die ich fast vollständig im Stau verbracht habe. Und während wir an einem Fastfoodrestaurant vorbei fuhren, schweiften meine Gedanken wieder einmal ins Unangenehme ab. Ich verstehe nicht, warum sie das so oft tun. Ich habe so viele Dinge, über die ich mir Sorgen machen könnte, die ich aushecken könnte, an denen ich weiterspinnen könnte, statt mich ständig an die unangenehmsten Dinge, an die ich zurückdenken kann, zu erinnern.

Ich fixiere den Horizont und versuche, an angenehme Dinge zu denken. Manchmal möchte ich laut lossingen oder sogar tanzen. Heute ist keiner dieser Tage. Heute ist alles zähflüssig und schwer, was sonst dann doch eher leicht von der Hand geht. Ich verstehe nicht einmal wirklich, wieso das so ist. Für die 1.300 Zeichen Kurznachricht brauche ich genauso lange wie für die 4.000 Zeichen Onlinetext und ich habe nicht das Gefühl, dass eins wirklich schwieriger ist als das andere. Es ist einfach so und ich muss lernen, damit zu leben.

„Reconnect after Conflict“, preist sich eine Facebookwerbung an. Ich möchte meinen Mittelfinger heben, aber ich fühle mich nicht kräftig genug, um es tatsächlich zu tun.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *