Der Adventure-Ready Hoodie

Als ich merkwürdige Einschlafgedanken hatte.

Ein gezeichneter Pfirsich

„This Adventure-Ready Hoodie Is Made From Coffee Grounds!“ begeistert sich mein Facebook-Feed, während ich wie automatisch dadurch scrolle. Mein Daumen kann die Bewegung auch machen, ohne dass ich hinschaue, muscle memory genügt, ich bin ausnahmsweise nicht stolz darauf. Mechanisch starre ich die Anzeige an, während die Person, die ich einst Ruth nannte, mich mustert. Immer noch isst sie einen Pfirsich, obwohl überhaupt keine Saison für Pfirsiche ist. Aber in ihrer Hand wirken sie so saftig, so überaus reif und zuckrig, dass ich auch einen Bissen will, obwohl ich gar nicht so genau weiß, ob ich Pfirsichgeschmack eigentlich wirklich mag.

Die Person, die ich einst Ruth nannte, grinst mich an, als sie sich den Pfirsischsaft vom Kinn leckt.

Ich muss am nächsten Tag ein wenig früher aufstehen als ich es sonst tue. Deswegen bin ich natürlich nervös und kann schlecht einschlafen. Das ist verständlich, aber wirklich unverständlich ist der Reflex, den ich dann habe. Ich denke an eine Nacht mit P. zurück, ganz am Anfang, als wir in dieser Wohnung am Augarten waren und sie mich nicht einschlafen lassen wollte. Oder so etwas ähnliches. Merkwürdigerweise ist dieser Einschlafgedanke beruhigend. Ich verstehe es nicht, denn eigentlich beruhigt mich nichts, was auch nur annähernd mit P. zu tun hat, sogar die Erwähnung des Vornamens in anderen Kontexten bringt mich leicht aus dem Konzept.

Natürlich schlafe ich nicht einfach so ein. Also, eigentlich schon. Ich schlafe oder dämmere durch mein übliches Einschlafprogramm (Shadowrun: Corporate SINs, es ist toll und ich liebe es!) und dann wache ich wieder auf. Um eine Zeit, um die ich in den letzten Tagen oft erst eingeschlafen bin. Ich muss unglaublich dringend auf‘s Klo, was ich nicht verstehe, denn ich war ja vor ein paar Stunden erst. Aber vielleicht sind das diese Schlafhormone, die irgendetwas mit meiner Blase machen oder so. Als ich dann wieder im Bett liege, hört mein Einschlafprogramm wie gewünscht automatisch auf, was mich natürlich noch viel weniger einschlafen lässt. Immerhin denke ich diesmal nicht an P.

Es ist so merkwürdig, wie meine eigenen Gedanken mich so aus der Bahn werfen können, als wäre ich ein Asteroid, der durch ein Wunder der Technik abgelenkt wird. Ich verstehe nicht, warum ich seit Jahren über all das nachdenke, warum ich seit Monaten gefühlt über nichts anderes schreibe und warum ich nicht einfach einen Schlussstrich ziehen kann.

„Es ist einfach“, sagt die Person, die ich einst Ruth nannte, „du kannst keinen Schlussstrich ziehen, weil du es nicht willst. Du würdest das gerne klären. Oder zumindest irgendeine Form von Closure finden, die es halt nicht gibt.“
Ich weiß nicht einmal wirklich, ob ich mich ertappt fühle oder ich das Gefühl habe, dass die Analyse komplett an mir vorbeigeht.

Ich greife nach einem Pfirsich. Will ich vielleicht doch einen Pullover aus Kaffeesud?

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