Der Gedankenfluss

Als ich ans Wasser denken musste.

der sehr stille Bodensee

Ich bin zu lange aufgeblieben, ich bin zu spät aufgestanden, ich will einige Wolken vom Himmel pflücken und auf ihnen schlafen. Warum ist die Welt, wenn sie nicht mein Kissen sein soll?

Und dann das Wasser. Es macht etwas mit mir. Oder mit meinen Tagträumen, meinen Gedankenströmen, die langsam wie große vorzivilisatorische Flüsse durch meinen Kopf mäandern. Zumindest bin ich immer, wenn ich an die großen Wassermassen denken muss, leicht ins Schwärmen zu bringen. Ich stelle mir vor, wie ich von der Mündung bis ins Delta dem Verlauf des Flusses verfolge, entweder in einem Kahn oder einfach nur drüber schwebend als transparenter Geist. Und die Seen erst, die mich mit ihrem Schichtaufbau so sehr faszinieren, dass ich mir Hypolimnion als Wort so gut gemerkt habe.

Vielleicht möchte ich einfach nur untertauchen, den Druck des Wassers und der Luft über mit spüren, der sich mit jeder Tauchbewegung nur noch erhöht, bis meine Ohren schmerzen und ich das Gefühl habe, mein Kopf würde zerbersten. Und langsam steigen Luftblasen nach oben, die leise, kaum hörbar, mit einem feinen „Blub“ platzen. Ich ignoriere sie.

„ Ich versuche, all diese schrecklichen Gedanken mit „Blub“ zu vertreiben. Manchmal schreibe ich auch „BLUB“ auf meinen Notizblock oder sonstiges Papier, wenn ich nicht laut reden kann oder will. Oft funktioniert das. Fragt sich nur, ob die Luftblasen, die ich dazu denke, über die Oberfläche steigen oder ob die Gedanken nur sinken wie leckgeschlagene Erdöltransporter und am Grund verbleiben wie Seeminen, aus denen man später Möbeln bauen wird, falls sie entgegen aller Erwartungen nicht detonieren und mich – zumindest metaphorisch – in Stücke reißen. Oder hässliche Flecken auf Textilien hinterlassen. „

#################################

Alles wie immer also. Es fällt mir schwer, mich selbst ernst zu nehmen, wenn ich darüber nachdenke. Im Endeffekt ist es sehr leicht möglich, sich sehr viele Dinge einzureden, um die wirklichen Ursachen zu verdrängen. Wenn ich also das Bedürfnis habe, laut „Blub“ zu sagen, um mich von einem besonders lächerlichen Gedanken abzulenken, kann es sein, dass dieser Gedanke mir wirklich wichtig war. Oder dass ich ihn denke, um mich von der Trostlosigkeit meines eigenen Lebens abzulenken, obwohl das möglicherweise überhaupt nicht nötig wäre.

Ich möchte Umarmungen schicken, in die halbe Welt, aber ich weiß nicht, wie ich sie artikulieren sollte. Stattdessen träume ich also vom Schwimmen in einem tiefen See, an dessen Grund ich mich absetzen kann, bis mir eine kalkhaltige Schale und sechs weitere Arme gewachsen sind.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *