Das Regenwetter

Als meine Hand kribbelte.

Strahlend blauer Himmel, von unten fotografiert, so dass einige Baumkronen voller grüner Blätter sichtbar sind.

Ich steige aus dem Zug und bemerke, dass meine Hand nicht mehr so merkwürdig kribbelt, was selten irgendetwas Gutes bedeutete. Dafür ist mein Gesäß eingeschlafen – immerhin gibt es Abwechslung im Bereich des Merkwürdigen, des Nicht-Einzuordnenden, des Unkategorisierbarem, das mir zwar nicht den Schlaf raubt, mich aber auf eine merkwürdige Art und Weise beschäftigt.

„Ich mag Drama!“, denke ich, und merke dann recht schnell, dass ich Drama nur dann mag, wenn es sich möglichst weit von mir entfernt stattfindet, am Besten sogar einfach fiktiv ist. Denn ich bin eigentlich zu alt für den Scheiß.

Ich verspreche mir selbst, mich einfach nicht komisch zu benehmen, mir nichts anmerken zu lassen, mich auf andere Dinge zu konzentrieren, denn dann wird auch dieser Kelch an mir vorüberziehen. Oder aber ich muss ihn trinken, exen, mit einem Male leeren, mir noch Gift nachschenken lassen und ihn wieder mit großen Schlucken austrinken, immer noch durstig, so schnell trinkend, dass ich einen Schluckauf bekomme und gleichzeitig husten muss, kaum noch Luft bekomme, wieder gierig trinke, weil mich das ganze Husten schon wieder durstig gemacht hat, um schlussendlich einfach zu Boden zu sinken und aufzugeben.

Aber Aufgeben war nie eine Option. Vielleicht kribbelt meine Handfläche auch einfach, weil ich mir eine seltsame Krankheit eingefangen habe, weil der Frühling beginnt oder weil ich vor einer depressiven Episode stehe. Heute wurde ein Foto eines schwarzen Loches veröffentlicht, vielleicht kann ich meine Hand nur ganz kurz da rein halten und das Kribbeln hört auf? Wenn ich das Gefühl habe, ich würde mir etwas einbilden, kann ich mir ja sicherlich auch einfach etwas anderes einbilden? Ich höre Muse, aber das falsche Lied. Und muss daran denken, wie ich auf diese Band gekommen bin. Wie „alles“ angefangen hat.

Ich fahre morgens mit dem Bus durch den Regen und laufe dann durch den Regen und gehe die Post holen und fahre dann wieder mit dem Bus durch den Regen und alles ist nass und feucht und grau und regnerisch und am Horizont hängt noch ein wenig Nebel und ich höre ganz andere Musik, die mich viel zu sehr an diesen einen November erinnert, aber das ist egal – es fühlt sich gut an. Für einen kurzen Moment schließe ich die Augen und wünsche mir, der Regen würde niemals aufhören, der Bus würde für immer im Stau stehen und die Musik würde ewig weiterspielen.

Ein Kommentar zu “Das Regenwetter

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