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Die Baumkronen

Als ich den Blick nicht vom Horizont abwenden konnte.

Der Horizont ist nie weiter, die Himmel sind nie offener als in diesem Land. Ein Paradox angesichts der Größe des Zwergenstaates, möglicherweise auch nur eine optische Täuschung, der ich seit Kindstagen unterlegen bin. Ich fühle mich in Städten stets freier, die Welt sich größer und die Möglichkeiten unbegrenzter an, als hier, wo lediglich mittelhohe Wälder die Sicht auf die Scheibe begrenzen.

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Die Kursfindung

Als ich inmitten der Wolken saß.

Ich will nichts sehen, ich will nichts hören, ich brauche das nicht. Der graue Himmel hat mich frei gemacht, die Wolken verdecken all das, was mir Sorgen bereitete. Der Wind wird sie weiterschieben, sie werden ausregnen, aber zuerst werde ich mir Salat in den Garten pflücken gehen.

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Der Kulminationspunkt

Als alles kulminierte.

wolken, bäume, bahn-strom-mast

Heute ist der Tag, an den ich mich gesehnt habe. Unter meinen Füßen ein schier unendlicher Horizont, ein Sommer voller Möglichkeiten, die ich alle nicht nutzen werde. Gleichzeitig kommt die geballte Sehnsucht zu zwei Orten, an denen sich mein träger Fleischkörper gerade nicht befindet, zu ihrem vorläufigen Höhepunkt. Ich erinnere mich an eine Nacht, in der Menschen schrieben, dass sie mich brauchen würden und ich mich in die Öffis setzte und zu dieser Party fuhr, die ich schrecklich fand, die ich nicht aushielt. Ich saß berauscht in einem Büro, das nicht meins war.

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Die Unzufriedenheit

Als ich nichts gut fand.

Baumkronen und Wolken, vor dem ganzen eine Oberspannungsleitung

Dieses eine social media-Ding, das ich mal mochte, weil es ruhig war, weil die Leute schöne Fotos von netten Dingen posteten, es hat sich so verändert. Ich sehe vor allem Memes, die ich auch sonstwo sehe und es strengt mich an, den Leuten dabei zuzusehen, wie sie so viele Dinge an einem Tag machen, die ich in einem Monat schaffe. Vielleicht könnte ich auch so ein Mensch sein, wenn ich mir mehr Mühe geben würde. Und vor allem daran denken würde, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Fotos zu machen.

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Das Misstrauen

Als ich einen Misstrauensantrag gegenüber der Welt einbrachte.

Der Sommer ist angekommen, aber ich traue ihm immer noch nicht über den Weg. Ganz leicht könnte einfach jeder Tag verregnet sein, bis September. Ich stelle mir vor, wie es sich anfühlt, wenn der Regen durch meine dünne, aber sehr ästhetische Sommerjacke durchdringt, unter der ich auch schon geschwitzt habe.

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Der Joker

Als ich schummelte

Früher habe ich Joker-Karten aus Kartenspielen gesammelt. Ich kam mir furchtbar originell dabei vor, aber ich hatte die Idee aus einem Roman. Heute teile ich mir selbst einen Joker aus, denn immerhin mache ich hier die Regeln.

Die Warterei

Als ich warten musste

Sträucher in der DUnkelheit, nur eine Laterne einer Haltestelle beleuchtet sie.

Ich warte mitten in der Nacht eine halbe Stunde an der Bushaltestelle, obwohl ich in der Zeit vermutlich auch laufen könnte. Alles wirkt immer noch sehr wach, es fahren erstaunlich viele Autos vorbei. Niemand bleibt stehen und bietet an, mich mitzunehmen. Aber Menschen, die mit dem Auto fahren, wissen meistens eher wenig über Busfahrpläne, außerdem könnte ich auch ein merkwürdiger Serienmörder sein, den man lieber nicht mit dem Auto mitnimmt.

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weekend reading 17

Als ich nur mein eigenes Zeug pushte

Frontbanner einer Demo, auf dem Youth for Climate Luxembourg steht.

Ich war heute mal wieder auf einer Demo und hab ein paar Fotos gemacht. Schockiert hat mich vor allem das merkwürdige Sicherheitsmanagement der luxemburgischen Polizei, die den Verkehr neben der blockierten Fahrspur im Schritttempo weiterfahren ließ, was in meinen Augen dann doch eher gefährlich aussah.

Über das Artensterben ist schon viel geschrieben werden. Die Zahlen sind erschreckend, aber ich finde die Aussagen der Wissenschaftler*innen viel bemerkenswerter: Systemwechsel nötig. Es sind nicht mehr nur einige linke Aktivist*innen, die dringend dazu raten, den Kapitalismus zumindest sehr stark zu überarbeiten – es sind jede Menge Naturwissenschaftler*innen, die dies fordern.

Am Anfang der Woche habe ich mir außerdem angeschaut, wie viel Geld die luxemburgischen Parteien so auf Facebook ausgeben. Dabei fällt vor allem auf, dass es zwar Regeln seitens des sozialen Netzwerks gibt, die aber von kaum einer Partei so wirklich eingehalten werden.

Das Sehnen

Als ich mich sehnte.

Ich sehne mich nach dem magischen Datum, das Freiheit verspricht wie nach dem Meer. Eine Dreiviertelstunde über die Schotterpiste nach unten klettern, bis der Lärchenhain endlich Schatten spendet und die Bucht freigibt, die meist menschenleer ist und mir fünf Wochen lang Badewanne war. Ich schaue nicht in den Spiegel, weil ich nicht wissen will, wie meine Augenringe aussehen, was meine Haut zur politischen Großwetterlage sagt und ob es immer eine so gute Idee ist, so oft zuzusagen.

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Die Fässer

Als ich aus der Tiefe aufstieg

Ich habe Angst, mich ständig zu wiederholen, obwohl ich jeden Tag ungewollt und alleine durch den Fluss der unnachgiebigen Zeit eine andere Perspektive einnehme, die mir einen anderen Blickwinkel aufzwingt. Gerne würde ich behaupten, das T-Shirt beschäftige mich noch immer, aber ich habe seit gefühlten Wochen nicht dran gedacht. Ich kann nicht benennen, was sich in den Vordergrund gedrängt hat, welcher Gedankenstrom den Sog erzeugt hat.

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