Der Berg

Als ich über das tägliche Schreiben nachdachte.

Die Spitze eines Berges, im Hintergrund weitere schneebedeckte Gipfel

Wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen. Oder wir müssen uns vorstellen, dass Sisyphos leicht anders heißt und versucht, jeden Tag zu bloggen, auch wenn er sich leergeschrieben hat, wenn er müde ist, wenn er ausnahmsweise mal früh ins Bett wollen würde (als ob das je passieren würde). Das ist keine leichte Vorstellung. Dies ist keine Übung in Sinnlosigkeit, es ist eine Übung in Sturköpfigkeit.

Eine schlechte Eigenschaft, deren ich mir ohnehin längst bewusst bin, die ich jedoch der ganzen Welt mitteilen muss. Und wenn ich mir dann selbst noch Grenzen setze, wie etwa: nicht immer über das Wetter schreiben, nicht immer die gleichen Beziehungen und kribbelnden Hände aufarbeiten, nicht über Dinge schreiben, für die ich auch für Geld schreiben könnte, wird es schwierig. Ich könnte natürlich die fortlaufenden Texte weiterführen, aber sie sind die schwersten Felsen, die sich so schwer hochrollen lassen.

Als ich diesen Text begann, schrieb ich drei Sätze darüber, dass es schwierig ist, diesen Vorsatz jeden Tag auszufüllen, dass ich mir Regeln aufgestellt habe, die ich selbst nur sehr schwer einhalten kann, dass ich jeden Tag aufs Neue gewinnen muss, wo es doch so viele Möglichkeiten zum Verlieren gibt. Ich habe die drei Sätze gelöscht, weil sie mir zu uninspiriert vorkamen. Und jetzt, wo ich drei Abschnitte über das Thema geschrieben habe, scheint es mir große Kunst zu sein.

Ich überlese Texte selten. Das ist eine schlechte Angewohnheit, ich weiß. Genauso wie ich in der Schule für die wenigsten Fächer lernen musste, muss ich die wenigsten Texte wirklich gründlich überlesen. Was vermutlich erklärt, warum sie so sind, wie sie sind. Wäre ich überzeugter von mir, würde ich mich Naturtalent nennen, vermutlich bin ich einfach nur faul und habe mir seit 2001 beigebracht, auf „Publish“ oder „Send“ zu drücken, sobald ein Text die Länge hat, die ich mir von ihm erwarte.

Ich forme mir meinen Stein selbst, ich schleife meine Anhöhe, ich presse meinen Berg. Vielleicht bin ich doch ganz glücklich damit.

Photo by Kimon Maritz on Unsplash

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