Die Kursfindung

Als ich inmitten der Wolken saß.

Ich will nichts sehen, ich will nichts hören, ich brauche das nicht. Der graue Himmel hat mich frei gemacht, die Wolken verdecken all das, was mir Sorgen bereitete. Der Wind wird sie weiterschieben, sie werden ausregnen, aber zuerst werde ich mir Salat in den Garten pflücken gehen.

Ich bin der Kapitän meines Zeppelins, ich entscheide den Kurs, über mir nur die Wolken, unter mir nur das Wasser, denn es ist immer das Meer, über dem ich fahre, schwebe, existiere. Aber ist das Freiheit, oder ist das nur Bürde und Verantwortung? Wäre es nicht angenehmer, wenn ich nicht den Kurs bestimmen müsste, wenn ich mich treiben lassen könnte, wenn es keine Entscheidungen oder zumindest keinen freien Willen gäbe?

Inmitten der Wolken gibt es keine Aussicht, keinen Horizont, keine Wahlmöglichkeiten. Osten sieht genauso grau wie Westen aus. Das ist auf eine gewisse Art und Weise angenehm. Ich muss keinen Kurs vorgeben. Ich kann mich vom Wind treiben lassen und warten, bis die Sterne durch Wolkenfetzen scheinen und ich meinen Kompass und all meine fragilen Kupferinstrumente in den Himmel halt kann, um meine Position zu ermitteln.

Es gibt nur einen Ort auf der Welt, an dem ich die Sterne so richtig gesehen habe.

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