Der Neonregen

Als die Dystopie nicht sichtbar war.

Lichter in einer japanischen Großstadt.

Am Abend regnet es wieder. Ich trete aus dem Büro, zünde eine Zigarette an, und obwohl ich von Innen glaubte, es hätte aufgehört, regnet es immer noch. Manchmal wünsche ich mir, die Stadt wäre in ewiges Neonlicht getaucht, damit die Welt zumindest äußerlich so aussieht, wie die Dystopie, die sie ist. Stattdessen ist alles eine staubige, laute, ewige Baustelle, mit hässlichen Metallabsperrungen, alle paar Meter eingedellt.

Auf die Ampeln schaut niemand mehr, den neuen provisorisch-tödlichen Radweg beachten die Fußgänger*innen nicht. Zum Glück wartet zumindest der Bagger bei rot, wenn auch ungeduldig.

Der Regen wäscht immerhin den Staub weg. Er schlägt mir ins Gesicht, ich ziehe die viel zu dünne Kapuze ins Gesicht, wo die natürlich nicht bleibt, weil der Wind sie mir immer wieder auszieht. Ich wünsche mich ein halbes Jahrzehnt später in die Dystopie, dann würde meine Jacke vielleicht aus irgendeinem Grund automatisch dort bleiben, wo sie soll, weil sie „intelligent“ ist, oder zumindest intelligenter als ein viel zu dünnes Stück Stoff. Ich bereue die Entscheidung, kurze Hosen und bunte Socken zu tragen, aber ich muss mich ohnehin nicht für meinen schlechten Stil entschuldigen.

Alle Gehsteige sind zur schmal und dann setzen sie auch noch Leihfahrräder drauf. Das ärgert mich mehr als der Regen, der durch meine undichten, da kaputten Schuhe sippt.

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