Die Stoppelfelder

Als ich die Heuballen beobachtete.

Das Land sieht so friedlich aus, mit den frisch gemähten Wiesen, auf denen die Heuballen sitzen, als wären sie übergroße Mühlenspielsteine, mit denen niemand etwas anfangen kann. Es trügt, so wie so vieles einen Anschein erweckt, der nicht stimmt. Ich sehe zum Beispiel viel extrovertierter aus, als ich es vermutlich bin, höre mich weniger oder mehr intellektueller an, als ich Gedanken in Worte fassen kann.

Wenn eine Böschung alles verdeckt, kann ich mit dem Land leben, kann ihm alles verziehen, was unersichtlich ist, was unter der Oberfläche schlummert und lediglich hinter dicken Vorhängen oder bei einer Pizza besprochen wird.

Ich tröste mich mit den Oberleitungen, die mich an die Realität erinnern, in der ich einmal leben wollte. Ich verstehe nicht, welcher Systematik sie folgen, welche Gesetzgebungen ihnen zugrunde liegen und was ihr Aussehen diktierrt, aber sie erden mich. Immerhin ist das hier kein magischer Landstrich voller gigantischer Mühlsteine, sondern eine ganz banale Landschaft, in der Strom auf die herkömmliche Weise transportiert wird, die ihr Bedürfniss nach Energie offen legt und zumindest nicht alles versteckt.

Vielleicht möchte ich mich in eine frisch gemähte Wiese neben die Heuballen legen, die Stoppeln spüren, wie sie sich in meinen Rücken bohren, und in den Himmel starren, dessen Blau mit Worten nicht zu beschreiben ist, weil es zu tief, zu zweidimensional, zu unfassbar ist.

Und dann möchte ich die Augen vielleicht schließen und in den Schlummer der Gerechten fallen, der mich von der Grausamkeit der Welt trennt.

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