Die Kroketten

Als ich am Wegesrand saß.

Im Backofen sind die Kroketten dabei, gelbgolden zu werden. Oder welche Farbe sich das Werbetextteam auch immer für die Beschreibung des erfolgreich gegarten Endproduktes ausgedacht haben mag. Ich mag Kroketten seit ich weiß, was Kroketten sind, trotzdem esse ich selten welche, es ist eigentlich ein großes Mysterium.

Es ist schön, so sehr Teil des eigenen Klischees zu sein, dass ich den gleichen Leuten an den gleichen Orten über den Weg laufe, ohne dass ich vorher daran denke, dass es so sein könnte. Wir sitzen am Wegesrand, neben dem Mann der relativ erfolglos versucht, seine bunten Eier (die Hühner haben grüne Füße, wie er erklärt) zu verkaufen und ich sehe die Leute an, die alle genauso aussehen, wie ich mir Leute vorstelle, die hier an diesem Ort herumlaufen. Ich bin gleichzeitig Fremdkörper in und Teil dieser Masse, die meiste Zeit aber muss ich auf‘s Klo.

Das ist vermutlich ein Zeichen dafür, wie wenig Empathie wir als Spezies insgesamt haben: Selten sehen wir Menschen und fragen uns, ob die wohl gerade auf die Toilette müssen.

Natürlich fühle ich mich fremd mit meinen Motivshirts und aus der Mode gekommenen Shorts und meinen kaputten Schuhen und den blauen oder grünen, vermutlich eher türkisen Haaren, aber wenn ich mir diese Beschreibung noch einmal durchlese, klingt sie doch sehr danach, als würde ich genau dort hin passen, wo ich gerade sitze, am Wegesrand am Kanal zwischen dem Eierverkäufer und dem Typen, der gerade seine Harfe aufgebaut hat und sie ziemlich falsch spielt.

In einer anderen Stadt, an einem anderen Kanal, würde ich jetzt Dosenbier trinken.

Foto: CC-BY-SA Orderinchaos

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