Die Plüschigkeit

Als ich über Begrüßungsfloskeln stolperte.

„Ich vermisse höchstens das Gefühl, das ich damit verbunden habe. Die Welt als neuen, aufregenden Ort, zu dem mir alle Türen offenstehen, auf dem noch Nebel und Raureif klebt wie kühles Geschenkpapier.“
Die Person, die ich einst Ruth nannte, zieht eine Augenbraue hoch. Bewundernswert, dass sie so sehr Kontrolle über ihre Mimik hat, wie ich sie einfach nie haben könnte, so sehr ich mir es auch wünschen würde. Sie mustert mich mit interessiertem Blick, als habe ich etwas komplett abwegiges gesagt.

„War das so?“

Ich zögere nicht lange, ich durchschaue meinen eigenen Bluff.
„Vermutlich nicht. Auch damals war schon alles schwer, undurchsichtig, mit Barrikaden versehen. Aber vielleicht hatte ich trotzdem das Gefühl, mehr Möglichkeiten zu haben. Obwohl das heute nicht so viel anders ist.“

Ich verliere mich in meinen eigenen Worten, folge dem Gedanken, relativiere mich selbst, versinke letztendlich im Sumpf meiner eigenen Metaphern. Mein Gegenüber grinst lediglich, lässt die Stille sich wieder ziehen wie der Kaugummi, den ich noch heute Nachmittag an der Schuhsohle eines Passanten, der viel zu langsam vor mir durch das Gedränge schlenderte, beobachtete.

Ich bin kurz davor, die Augen zu schließen, weil ich das gleißende Weiß des Porzellanladens nicht mehr ertrage, während die Plüschigkeit der Chaise-Lounge schon längst unvorstellbar geworden ist und meine nackten Beine regelrecht sticht, so bequem ist sie. Die Situation ist kaum auszuhalten und dennoch finde ich es eigentlich ganz gemütlich.

In den letzten Wochen ist es ein Running-Gag geworden, dass ich nicht weiß, wie ich auf die Frage „Wie geht es dir?“ antworten soll, weil ich zu viel über eine Antwort nachdenke, dann aber inmitten des Nachdenkens „Ja, geht.“ antworte und auf meinem Gesicht zu sehen ist, dass ich zu viel darüber nachdenke. Und eigentlich habe ich nur abgewägt, wie viel ich von irgendwelchen irrelevanten körperlichen Schmerzen erzählen sollte, ob ich Lust hatte, darüber zu reden und mir Geschichten anzuhören.

„Du weißt einfach oft nicht, wie es dir wirklich geht. Oder denkst nicht einmal über die Frage nach, bis dich jemand fragt und dann bist du um die Antwort verlegen.“
„Das auch.“
„Und wenn du dann darüber nachdenkst, starrst du immer kurz in den Abgrund, vor dem wir alle stehen, dem eben eingestürztem Haus, von der Klippe hinab zum Meer und fragst dich, wer du eigentlich bist und wo du eigentlich stehst und ob das alles so seinen Sinn hat und wirklich so gut ist, wie du es dir einredest.“

Ich lege mein Bein wieder hoch auf die Chaise-Lounge, greife neben mich, wo natürlich ein Obstkorb steht und beiße in den Pfirsich, dass der Saft nur so spritzt.

„Amen, Geschwisterlein!“, sage ich, so trocken es mir mit vollem Mund möglich ist.

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