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Das Strecken und das Recken

Als ich über eine wunderbare Freund*innenschaft nachdachte

Ich weiß nicht, ob ich noch mit einer anderen Person befreundet bin, die ich schon 18 Jahre lang kenne. Natürlich sagt die Länge nicht unbedingt etwas über die Qualität aus, aber ich finde es trotzdem so bemerkenswert. Ich wünschte, ich hätte tatsächlich immer gleich alles aufgeschrieben, was wir so gemeinsam erlebt haben, ich hätte die Diagramme gezeichnet und könnte jetzt bereits eine halbe Biografie schreiben. Ich wünschte, ich hätte nicht so oft „mal sehen“ oder „nein“ gesagt oder im letzten Moment doch die sicherere Option gewählt – obwohl ich auch ganz froh bin, zu wissen, was ich brauche und wie viel ich aushalte.

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Die Afterparty

Als ich etwas lädiert war.

Im Dämmerzustand liege ich den ganzen Tag herum. Die letzte Nacht hallt noch nach. Die Hütte im Wald, das Feuer, um das Leute herumstehen, das Menschen umarmen, in dem auch ich einmal herumstochere. Ich erinnere mich an die vielen Male, die ich den Hügel hochgegangen bin, um ihn dann wieder rauchend, den Kopf gen die Sterne gerichtet, breit grinsend heruntergegangen bin. Viel zu wenig Umarmungen, eigentlich. „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist wabbelig.“, sagte ich zum Abschied, denn wie immer wurde ich viel zu früh müde.

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weekend reading 35

Als ich die Freitagslinks Samstags postete.

Auch diese Woche dominierte der Klimawandel. Ich schrieb ein Editorial über die Notwendigkeit eines Systemswechsels, den ich Ändern oder untergehen nannte. Über die Utopien, die uns dorthin begleiten könnten, ging ein längerer Artikel namens Eine bessere Welt erträumen. Und auf der Klimademo war ich auch und hab Fotos gemacht: Zusammen für Klimagerechtigkeit.

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Der Tisch

Als mein Zynismus mich überholte.

Wir sitzen in einem Restaurant und essen und reden, aber eigentlich sitzen wir in einem kalten, gefühlslosen Universum, dem es komplett egal ist, was wir tun und fühlen. Ich kann nicht damit umgehen, wenn andere Menschen das sagen, ich kann so etwas nur selbst sagen. Es ist ein wenig wie mit Betrunkensein: Wenn du nicht mehr ausmachen kannst, wer die am meisten betrunkene Person im Raum ist, bist du es vermutlich selbst. Wenn ich nicht die zynischste Person im Raum bin, habe ich ein Problem.

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Der Taumel

Als ich den Drehwurm hatte.

Manchmal dreht sich alles im Kreis. Ich weiß nicht, ob ich mich drehe und mir einfach schlecht ist, weil das Organ in meinem Innenohr, das für mein Gleichgewicht verantwortlich ist, das nicht aushält, oder ob sich alles um mich dreht. Der Himmel, die Erde, die Sterne, alle Galaxien. Ich möchte nicht der Star einer merkwürdigen Soap sein, ich kann nicht das Zentrum des Universums sein, auch wenn es sich immer wieder so anfühlt.

Photo: CC-BY European Southern Observatory

Der letzte Sommertag

Als ich fürchtete, dass es nun wirklich so weit war

Im Radio sagen sie, dass heute der letzte Sommertag sei. Dann spielen sie Bright Eyes – First Day of my Life und meine low key-Traurigkeit fühlt sich realer an als die Kaffeetasse, an der ich mich festhalte, obwohl ich am Tisch sitze und sie drauf steht. Gestern haben wir noch darüber diskutiert, ob dieser Meldung wirklich Glauben zu schenken ist, da sie seit Wochen gefühlt ständig kommt, aber heute, an diesem Abend, glaube ich fest, dass sie stimmt, dass sie stimmen muss.

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