Der Schoß

Als ich (wieder einmal? Schon wieder? Noch immer?) müde war.

„Du weißt das doch eigentlich.“
Die Stimme klingt tadelnd. Als hätte ich mich über eine Regel hinweggesetzt. Dabei stimmt das nicht, ich habe mich lediglich nicht so sehr ausgeruht, wie ich es hätte können. Aber es ist nicht so, als ob ich mich überanstrengt hätte – es hat nur merkwürdig an meinen Kräften gezerrt, ohne dass ich es bemerkt habe.

Ich antworte lediglich, viel kleinlauter als ich mich fühle: „Ja.“
Die Person, die wir einst Ruth nannten, grinst mich an, dann blickt sie mich wieder ernst an.

„Du musst auf dich aufpassen, das weißt du.“
„Ich muss auch meine Arbeit machen. Und wenn das einen Sonntag lang heißt, mitzubekommen, was sich andere eigentlich für eine Arbeit machen, dann ist das eigentlich ganz normal und überhaupt kein Problem.“

Die Person, die wir einst Ruth nannten, lächelt wieder.

„Das war doch nicht alles, was du gemacht hast.“
Ich nicke und merke in dem Moment, dass ich viel zu müde bin, um der Person noch verbal zu antworten. Mein Kopf liegt auf einmal ins Ruths Schoß, ohne dass ich genau weiß wie es passiert. Als ich meine Augen schließe und nicht mehr aufbekomme, höre ich ihre Stimme noch:
„Und dieser merkwürdige Traum, in dem du auf einmal Vater wurdest, war vermutlich auch nicht unanstrengend.“

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