Das Strecken und das Recken

Als ich über eine wunderbare Freund*innenschaft nachdachte

Ich weiß nicht, ob ich noch mit einer anderen Person befreundet bin, die ich schon 18 Jahre lang kenne. Natürlich sagt die Länge nicht unbedingt etwas über die Qualität aus, aber ich finde es trotzdem so bemerkenswert. Ich wünschte, ich hätte tatsächlich immer gleich alles aufgeschrieben, was wir so gemeinsam erlebt haben, ich hätte die Diagramme gezeichnet und könnte jetzt bereits eine halbe Biografie schreiben. Ich wünschte, ich hätte nicht so oft „mal sehen“ oder „nein“ gesagt oder im letzten Moment doch die sicherere Option gewählt – obwohl ich auch ganz froh bin, zu wissen, was ich brauche und wie viel ich aushalte.

„If you can, you must“, habe ich vor einigen Tagen gehört und fand es einen weisen Rat, auch wenn er ursprünglich mit Yogaverrenkungen zu tun hatte. Ich hasse diese Sprüche über das Leben außerhalb der comfort zone, aber in Verbindung damit, dass es um etwas schaffbares, aber (vielleicht am Anfang) unangenehmes geht, mag ich den Gedanken wieder. Manchmal ist es nötig, seine Glieder so zu strecken, dass es weh tut, ohne sich jedoch selbst Knochen zu brechen. Und es gibt Menschen, die mir beim Strecken und Recken mehr geholfen haben als andere.

In seltenen Fällen (haha!) mag ich dramatische Metaphern: Es gibt wenige Menschen, für die ich ohne zu Zögern Lyra lernen und alle neun Höllenkreise durchqueren würde. Und diese Freund*innenschaft, die gerade beschreibe, ohne die Person zu nennen, gehört dazu.
Wie außerordentlich schön.

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