Zehn Jahre #unibrennt

Als ich mich an brennende Unis erinnerte.

Das vollbesetzte Audimax der Uni Wien während der Besetzung 2009. cc-by-nc Martin Juen

Vor zehn Jahren wurde das Audimax der Universität Wien besetzt. Bis kurz vor Weihnachten hielt die Besetzung, dann wurde sie geräumt. Damit war es die längste Unibesetzung Österreichs und politisierte eine Generation Studierender (und wohl auch Schüler*innen, die das irgendwie verfolgten). Viele sind wohl zumindest auf einer der großen Bildungsdemos gewesen oder haben sonst einmal im besetzten Audimax vorbeigeschaut.

Schräg, dass das schon zehn Jahre her ist. Allerdings habe ich schon vor fünf Jahren einen sehr ausführlichen Text mit meinen Erinnerungen geschrieben, also verlinke ich einfach auf den. Vor knapp neun Jahren habe ich auch über die Bildungsdemo ein Jahr später (und meine Reise zum ORF-Zentrum) geschrieben. Vor fünf Jahren schrieb ich:

Ich habe für mich persönlich enorm viel mitgenommen: als allererstes natürlich viele gute Freund_innen, dann kam ich durch meine Mitarbeit in der Presse-Arbeitgruppe von #bokubrennt irgendwann in das Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der ÖH BOKU (die gesetzliche Studierendenvertretung an meiner Uni), wurde 2011 Chefredakteur des dortigen ÖH_Magazins und landete 2013 beim progress. Ohne #unibrennt wäre das nicht passiert, ohne #unibrennt wäre ich im ersten Semester wahrscheinlich ziemlich verzweifelt zwischen Vorlesungen in Kinosälen und Mitstudierenden, die sich nur darüber unterhielten, wie welche Prüfungen möglichst schnell zu erledigen seien (Hey, in der zweiten Uniwoche hätte ich gerne mehr Enthusiasmus gehabt!).

Ich wäre nicht dort, wo ich jetzt bin, ich wäre nicht der Mensch, der ich bin, hätte es diese Protestbewegung nie gegeben. Ich bin immer noch sehr froh darüber, dass ich mein erstes Semester auch damit verbracht habe, über Fragen wie „Was ist Bildung? Wer hat Zugang zu Hochschulbildung? Wer wird ausgeschlossen? Wie und wieso wollen wir überhaupt lernen?“ nachzudenken. Ich hätte letztes Jahr sicherlich auch nicht so viel Energie in die Protestbewegung gegen die Reform der luxemburgischen Studienbeihilfen (#streik6670) gesteckt, hätte ich nicht bei #unibrennt erfahren, dass sich solche Proteste auch dann lohnen können, wenn sie ihr nominelles Ziel nicht erreichen.

Das kann ich immer noch nur unterschreiben. Und möchte hinzufügen: Ohne #unibrennt würde ich heute vermutlich nicht bei der woxx arbeiten.

photo: cc-by-nc Martin Juen

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