Das Überbacken

Als ich Melanzani schnitt.

Überall suche und frage ich nach meinem Moussaka-Rezept, aber ich finde es nicht. In dem Buch, in dem ich es zweimal vermutete, ist es nicht, und das andere, in dem es vermutlich ist, habe ich überhaupt nicht mehr in meinem Besitz. Ich schaue kurz auf ein paar Seiten nach, aber die Rezepte sehen alle merkwürdig aus. Ich erinnere mich dann, wie ich das immer gemacht habe und mach es einfach so.

Ohne lange zu überlegen, ohne etwas nachzuschlagen, aus dem Bauch heraus und nach Gefühl. Es klappt. Es wird. Ich kann es noch. Es ist mir in Fleisch und Blut übergegangen, obwohl ich in einem anderen Land andere Kartoffeln, andere Melanzani (Aubergine dich doch selbst!) und anderes Sojahack in einer anderen Pfanne anbrate, obwohl ich kaum noch weiß, wie die Pfanne aussah, in der ich das früher tat, obwohl sich alles verändert hat außer meiner selbst.

Ich habe gar nicht darüber nachgedacht, dass das jetzt alles schon zwei Jahre her ist, schon gar nicht öffentlich. Aber eigentlich denke ich ständig darüber nach, auch wenn ich nur ein Moussaka mache, wie ich es überall machen könnte, wo es Kartoffeln, Melanzani und Sojahack und die zehntausend Gewürze, die ich dafür brauche, gibt, nur ist es mir nicht immer so bewusst, nur spreche ich diesen Gedanken oft einfach nicht aus. Es schmerzt immer noch.

Vielleicht werde ich eines Tages zurückkehren wie der verlorene Sohn. Und wenn ich diesen Satz schreibe, frage ich mich: Habe ich nicht genau das getan? Das Schicksal, das ich immer vermeiden wollte, die Trostlosigkeit, der schlechte öffentliche Transport. Vor mir sehe ich aber eine Aufgabe, größer als jeder der peinlichen Hügel in dieser Gegend – und wenn nicht (auch) ich, wer dann?

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