Das Wasserverlangen

Als ich zu sehr auf die Werbung hörte.

Ich stehe unter der Dusche und höre eine Werbung für einen Online-Therapiedienst aus meinem wasserfesten Lautsprecher, mit dem ich Podcasts unter der Dusche höre. Ich frage mich kurz, was ich dem Dienst erzählen würde und ob nicht alle meine Probleme viel zu leicht zu lösen wären. Vermutlich ist das dieses Imposter-Syndrome, von dem immer alle erzählen. Das warme Wasser fühlt sich gut an. Manchmal dusche ich am Wochenende besonders lange und sage mir, dass ich sonst in der Wanne liegen würde, wenn ich denn eine hätte.

Ich vermisse die Wanne, obwohl ich sie eigentlich nicht mochte. Ich kenne das Phänomen. Ich mochte die Badewanne, aber eigentlich nur als Idee. Wenn ich dann drin lag, konnte ich mich schwer beschäftigen, riskierte Wasserschäden an diversen Geräten oder musste so viel nachdenken, dass das Wasser zu schnell kalt wurde. Oder das Wasser wurde einfach so schnell kalt, dass ich ständig über Wassertemperatur, Platzmangel, mangelnden Schaum und ähnliche Phänomene nachdenken musste. Zu allem Überdruss hatte ich mir in einem kleinen Bioladen ein Badeöl gekauft, das nach Wald roch und jahrelang nicht leer wurde, weil ich natürlich aus all diesen Gründen nicht oft in der Wanne saß.

Vielleicht ist es besser, zehn Minuten länger zu duschen und sich dabei merkwürdige Werbung anzuhören.

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