Der Fleece

Als ich mich im hohen Gras aufhielt.

Einen kurzen Moment lange habe ich das Gefühl, ich würde im hohen Gras stehen. Aber das kann nicht sein, es ist viel zu kalt dafür, die Jahreszeit hat alles Grün in ein matschiges Braun verwandelt, das auf jeden Fall nicht mehr hoch ist. Ich streife trotzdem den Raureif von einem hohen Grashalm ab. Er fühlt sich geradezu knackig an, wie Brokkoli, der genau richtig gekocht ist. Außerdem scharf. Ich habe Angst, mir eine Papierschnittwunde zuzufügen, obwohl der Grashalm überhaupt nicht aus Papier ist.

Es ist kalt, ich bin froh, die Fleecejacke von der nervigen Outdoormarke, über die sich immer alle lustig machen, angezogen zu haben. Ich überlege kurz, sie zu schließen, aber das scheint mir dann doch zu viel Aufwand, als ich die Hände in die Taschen vergrabe. Ich hasse sie ein wenig, aber sie ist warm. Ich fürchte, dass ich in diesem Leben keinen Sinn für Stil mehr entwickeln werde, also kann ich auch die Fleecejacke tragen, wenn es kalt ist und ich aus einem mysteriösen Grund im hohen Gras stehe. Ein kurzer Blick an meinen Gürtel und mehrere Handbewegungen in meine Taschen verraten mir, dass ich wohl nicht hier bin, um Pokémon zu fangen.

Der Himmel scheint wolkenlos, aber ich sehe keine Sterne und keinen Mond.

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