Die Kassenperson

Als ich eine Stimme hörte.

Es ist so still. Und es ist so kalt. Am ärgsten merke ich an den Zehen, sie werden immer als erstes so kalt, dass ich mich über mein schlechtes Schuhwerk ärgere. Ich umarme mich selbst, obwohl ich ganz genau weiß, dass das überhaupt nichts hilft. Nicht, wenn meine Zehen kalt sind und ich dickere Socken oder zwei Lagen oder einfach bessere Schuhe anziehen sollte. Vielleicht sollte ich auch nicht mitten in der Nacht irgendwo herumstehen.

Heute habe ich gelernt, dass Igel nicht kotzen können. Und gleich wieder herausgefunden, dass das nicht wohl nicht stimmt. Allerdings gibt es viele pflanzenfressende Tiere, die nicht Erbrechen können. Ich würde den Begriff ja auch auf Wikipedia eingeben, aber vermutlich gibt es dort wieder so viele explizite Bilder, die ich nicht sehen will. So versuche ich es lieber nicht und bleibe zumindest in dieser Hinsicht ratlos.

Aber wo stehe ich eigentlich? Der leere Himmel, eigentlich nicht viel mehr als eine Wand, das hohe Gras, die Kälte, der Raureif – das kommt mir alles so bekannt vor. Aber noch hat mich keine Stimme geweckt, noch habe ich kein Lachen oder Kichern gehört, nach dem ich mich vielleicht sogar sehne, wenn ich nur lange genug in die sternenlose Nacht starre. Ich schließe die Augen. Und denke an eine Person, die neulich an einer Kasse vor mir stand und mich mit ihrer allgemeinen Erscheinung, der Figur, der Jeans, die weit und kurz war, an P. erinnerte.

Vielleicht ist das der Grund, weswegen ich hier bin, denke ich mir, so leise wie möglich. Wäre es nicht so kalt, ich würde noch einmal einen der Grashalme anfassen, um die Kälte des Raureifes zu spüren, um wirklich zu fühlen, dass ich an diesem merkwürdigen Ort bin, den ich nicht einordnen kann, der sich wie ein verdammter Traum anfühlt, von dem ich jedoch sicher bin, dass es keiner ist.

„Hallo, mein alter Freund.“
Endlich. Eine bekannte Stimme.

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