Der öffentliche Nebelverkehr

Als ich herumfuhr.

Der Tag beginnt mit Nebel, und bevor ich mich versehe, ist es auch schon wieder dunkel. Diese Tatsache wäre beklemmend, würde ich mich nicht gerade am süßen Nichtstun laben wie an einem Lolli. So stört es mich weniger, es ist einfach so. Während die Öffis schauckeln, frage ich mich, welches Gefühl das in mir auslöst.

Früher liebte ich U-Bahnen und Trams, weil ich sie nicht kannte, weil sie nach Großstadt und Abenteuer rochen. Heute spüre ich diese Aufregung nur noch selten, ich empfinde die Anwesenheit eines halbwegs funktionierenden öffentlichen Nahverkehrs hauptsächlich als Entspannung. Ich muss mir nicht nicht ständig schauen, ob der Zug eh so fährt, ob ich den Anschlussbus kriege, ob nicht ein Sturm alle Straßen überflutet hat.

Es soll ja besser werden, und noch glaube ich dieses Versprechen. Ansonsten bliebe mir lediglich die Flucht oder die Hoffnung auf eine Sturmflut, die alles hinwegspühlt. Am merkwürdigsten sind die Geschichten, die sich in den Öffis abspielen. Ich kriege immer nur einen Akt mit, manchmal auch nur eine einzige Seite in einem Telefongespräch, oft genug untermalt von einer Klarinette. Die meisten dieser Geschichten sind so langweilig – oder würden es spätestens auf der Rolltreppe – dass es mich nicht stört, nicht alles mitzukriegen.

Manche andere würde ich gerne als Kinofilm sehen, oder gar als Serie. Vielleicht sollte ich mir jeden Dialog merken und meine eigene Operette daraus komponieren.

Der Nebel verschluckt meine Sorgen. Ich fürchte mich nicht einmal mehr vor meiner Schlaflosigkeit. Aber ich werde eine Mütze brauchen.

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