Der 2019-Rückblick

Als ich den letzten Rückblick auf 2019 warf.

Eins meiner großen Vorbilder beim Bloggen ist ja ben_, der sich jedes Jahr einer rigorosen Selbstkritik unterzieht. Da ich am Anfang des Jahres keine Vorsätze niedergeschrieben habe, kann ich mich schlecht damit vergleichen. Das Jahr 2019 war, um es nochmal zu wiederholen: anstrengend. Im Großen und Ganzen fühle ich mich zufrieden, aber viele Kleinigkeiten zerrten an meinen Nerven. Weder dem immer näher rückenden Abgrund (innerlich wie auch äußerlich) kann ich entrinnen, noch dem zwischenmenschlichen, das dann doch manchmal an mir nagt.

Die alten Vorsätze

Ich hatte nur zwei ernsthafte Vorsätze, die eigentlich alle beide aus einer merkwürdigen Laune am 1. Jänner heraus entstanden sind.

  • Jeden Tag bloggen, ein Jahr lang. Das habe ich, falls ihr diesen Post liest, tatsächlich geschafft. Ich habe gleich am ersten Tag sehr gut argumentiert, dass es eigentlich viel gibt, was dafür spricht, dass ich das schaffen könnte. Es sollte mich also eigentlich nicht wundern, tut es jedoch.
  • Einmal im Monat mit J. telefonieren. Wir haben ziemlich am Anfang des Jahres telefoniert und gleich beschlossen, uns das vorzunehmen, weil so eine gewisse Regelmäßigkeit im Kontakthalten ganz gut ist. Und auch das haben wir geschafft, wenn auch einige Gespräche am letzten Tag des Monats stattfanden.

Ein gutes Jahr für Vorsätze. Ich weiß, dass Struktur und Regelmäßigkeit mir hilft, Dinge zu schreiben. Und auch wenn ich nicht zufrieden bin mit der Qualität jeden einzelnen Blogposts, so bin ich generell doch einfach sehr froh, es gemacht zu haben. Ich will das auch weiterführen.

Das literarische Schreiben

Der Großteil von dem, was ich gebloggt habe, ist irgendwie literarisch einzuordnen. Das ist gut. Mit dem Sitting und der Geschichte mit der Krähe habe ich zwei zusammenhängende Geschichten begonnen, die auch irgendwann eine Kurzgeschichte oder gar ein Roman werden könnten. Mal sehen, ob ich daran 2020 weiterschreibe, oder ob ich es einfach aufgebe. Ich mag meine Selbstgespräche mit der Person, die wir einst Ruth nannten, aber das ist halt vor allem meine Nabelschau – ich weiß gar nicht, wie das ankommt.

Das Drama

Ich weiß nicht genau warum, aber gefühlt war 2019 so voll mit zwischenmenschlichem Drama wie sonst kein anderes Jahr. Vielleicht liegt es daran, dass alle um mich herum auf einmal doch erwachsen werden und die Wachstumsschmerzen halt … Schmerzen sind? Eventuell kann ich mich auch nicht daran erinnern, was in den Jahren davor so los war, weil ich zu sehr mit mir selbst und meinen Problemen beschäftigt war. Ich habe wieder bestätigt bekommen, dass es eine meiner Rollen auf dieser Erde ist, zuzuhören. Und manchmal den einen oder anderen „weisen“ Rat zu geben. Ich hoffe, dass ich das erfüllen kann, dass ich meinen eigenen Ansprüchen gerecht werden kann, ohne Menschen zu verletzten.

Das Reisen

Ich bin wieder ein wenig herumgekommen, vor allem zwischen Luxemburg und Berlin, aber im Oktober auch eine Woche Oslo. Es schmerzt mich immer noch, dass ich Wien nicht geschafft habe, obwohl ich eigentlich schon zu Beginn des Jahres dahin wollte. Vielleicht wird auch das 2020 besser, einfach weil ich begriffen habe, dass ich diese Dinge etwas mehr als eine Woche im Voraus planen muss. Andererseits habe ich auch eine Reise in einen Wald in der Nähe von Trier gemacht, die ich mit vielen guten Erinnerungen verbinde. Und dass ich so oft nach Berlin fahre, kommt ja auch nicht von ungefähr.

Der Sexpodcast

Ich habe es schon beim Arbeitsrückblick erwähnt, Méi wéi Sex ist definitiv ein Projekt, in das ich dieses Jahr sehr viel Herzblut gesteckt habe. Leider ging das nicht ohne viel zwischenmenschliches Drama, was in neuen, zusammengewürftelten Teams vielleicht auch normal ist. Ich wünschte, es wäre vieles leichter gegangen, wir hätten uns noch mehr auf Inhalte statt auf das Drumherum konzentrieren können, aber ich bin sehr zufrieden mit der Arbeit, die wir machen und fühle mich in dem Team sehr wohl. Außerdem empfinde ich es als unglaubliche Chance, bei so etwas mitmachen zu können. Ich werde bezahlt, um im Radio über Sex zu reden. Das hätte ich mir nicht träumen gelassen.

Der Pferdepodcast

Irgendetwas mit Meta ist das zweite Herzensprojekt, das leider ab August brach gelegen ist. Das lag nicht daran, dass Katja und ich keine Lust mehr hatten, sondern an der mangelnden Zeit. Vor allem ab dem Sommer fühlte sich das Jahr so anstrengend und stressig an, dass ich gar nicht mal daran dachte, eine Folge aufzunehmen. Ich hoffe, dass das 2020 besser wird, ich würde mindestens eine Folge im Monat einplanen, so als Ziel.

Die Hoffnung

2019 war für mich das Jahr, in dem die Hoffnung wieder aufkeimte. Das lag vor allem an der neuen Klimabewegung, die sich vor allem aus jungen Menschen speiste. Die Begegnung mit den luxemburgischen Aktivist*innen von Youth for Climate, die im September dann eine große Demonstration gemeinsam mit dem Rest der Zivilgesellschaft organisierten, war für mich tatsächlich ein Quell der Hoffnung. Der Backlash, der sich international einstellte, war zu erwarten. Aber irgendwie habe ich die Hoffnung, dass die Generation Z sich nicht einfach zufriedengeben wird. Es bleibt ihr – und uns allen – ohnehin nichts anderes übrig.

Die neuen Vorsätze

  • Drei- bis Viermal die Woche bloggen. Ich will nicht unbedingt mehr den Druck haben, jeden einzelnen Tag zu bloggen, weil es an manchen Tagen dann schon sehr schlaucht. Aber fast täglich, einige Male die Woche, das klingt für mich sehr gut und schaffbar.
  • Etwas wie einen Roman schreiben oder veröffentlichen. Vielleicht endlich mal das Ding, was ich 2016 schrieb, an einen Verlag bringen. Oder etwas neues schreiben.
  • Etwas Sport machen. Ich weiß nicht, was ich genau machen will – Schwimmen, Radfahren, Wandern – aber irgendetwas sollte ich tun. So sehr ich es auch hassen werde.
  • Mehr Lesen. Das kann nicht so weitergehen.
  • Mehr Kontakt mit lieben Leuten halten. Ich bin da schlecht drin, aber es lohnt sich so sehr. Also muss auch hier etwas Disziplin drin.
  • Ein neues Theme für dieses Blog. Das aktuelle läuft seit ca. 2013 oder 2014, und ich glaube, ich brauche mal wieder einen Tapetenwechsel.

Und damit: Ein gutes neues Jahr für uns alle! Fühlt euch gedrückt, wenn ihr das wollt! Danke für alle, die mitlesen.

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