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weekend reading 50

Als ich zum 50. Mal Freitags Links zusammenklöppelte

Diese Woche habe ich über die nicht-stattfindende (aber dann doch irgendwie) Verfassungsreform in Luxemburg geschrieben. Zwei Parteien wollen nämlich Klimaschutz als Staatsziel festschreiben. Ich bin der Meinung, dass das nicht viel mehr als der Ruf nach etwas PR ist. Online schrieb ich zur Übernahme des staatlichen Carpooling-Services durch Klaxit und zur Neuorganisation des RGTR-Regionalbusnetzes. Aus der woxx von dieser Woche kann ich außerdem diesen Text über queere Serienprotagonist*innen empfehlen.

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Das Verplempern

Als ich mich verhedderte.

Erst freue ich mich, dass ich noch viel Zeit habe, um am Abend etwas zu machen. Was ich genau tun will, finde ich dann schnell heraus: Die Zeit verplempern, indem ich mit Menschen auf twitter diskutiere. Es bringt nichts, es macht mich nicht glücklicher, und gekocht habe ich auch noch nichts. Vielleicht werde ich auch darauf verzichten, um noch etwas mehr Zeit vertrödeln zu können, bevor ich dann endlich das mache, was ich eigentlich geplant hatte – wenn ich mich denn daran erinnere.

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Die Kühlschrankfachleere

Als ich lange nicht eingekauft hatte.

Es ist immer noch so merkwürdig leer in diesem Haus. Auf der Kommode liegt immer noch dieser Zettel, den ich hastig herangezogen habe, immer noch der Kugelschreiber, mit dem ein Name geschrieben wurde. Ich kann mich kaum daran erinnern, ich will es eigentlich auch nicht. Die Leere, die sich bald wieder füllen wird, macht mich unrund.

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Die Nachtkälte

Als ich die Heizung aufdrehen musste.

Es ist so kalt in meinem Zimmer, ich schlafe eine Nacht in meiner Jogginghose, ehe es sich wieder aufgewärmt hat. Alles fühlt sich ungewohnt an, als müsse ich das Haus wiederentdecken, weil ich ein Wochenende nicht da war. Vermutlich liegt es auch einfach an dem Abend, der so furchtbar lang wurde, dass ich am Morgen beschließe, noch eine Stunde zu schlafen, statt mich durch die übliche Snooze-Hölle zu schlummern. Es wird tagsüber immer noch nicht warm, bis am Abend, als die Heizung blubbert wie ein schlecht gewartetes Aquarium.

Die Umarmung

Als ich mich erinnern wollte.

Wir umarmen uns. Und ich versuche, mir die Umarmung zu merken. Ich will sie nicht vergessen, sie an den Bahnsteigen, an denen ich warten muss, mit dem Starren auf die Minutenanzeige zu verdrängen. Ich möchte mich noch in zwei, drei Wochen daran erinnern, sie wertschätzen, die Nachwirkung der Wärme spüren. Und ich hoffe, dass es mir gelingen wird.

Das U-Bahn Outfitt

Als ich herumfuhr und Leute ansah.

In dieser Stadt fahre ich gerne U-Bahn. Eigentlich bin ich ja immer gerne U-Bahn gefahren, aber irgendwann verliert es seinen Reiz, wenn eins das jeden Tag tut, oder in der Früh tun muss, oder der Weg zu lang ist oder nach der U-Bahn-Fahrt noch eine schier endlose Busfahrt kommt oder sonst halt irgendetwas stört. Hier bin ich ja immer nur zu Freizeitzwecken und jede Fahrt scheint mir in Ordnung zu sein. Die Stadt bekommt das mit dem Mobilfunkempfang unter der Erde nicht hin, also schaue ich nicht auf mein Telefon, sondern auf die Menschen.

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Das neue Telefon

Das neue Telefon

Als ich ein neues Telefon bekam.

Ich bin seit Donnerstag Besitzer eines neuen Telefons. Ich versuche ja meistens, es zu vermeiden, mir neue Geräte zu kaufen. Einerseits bin ich schlecht darin, mich zu entscheiden und andererseits ärgeren mich kurze Nutzphasen noch viel mehr. Das dritte Smartphone in meinem Besitz ist das Nokia 8.1 und damit bin ich wieder zurück bei dem Hersteller, der die meisten meiner Mobiltelefone gebaut hat. Wobei die eigentliche Firma ja „HMD Global“ heißt und die Telefone genauso in China gebaut werden wie etwa jene von Apple.

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Das Loslassen

Als ich meine Augen nicht öffnen wollte.

„Du konntest noch nie gut loslassen.“, sagt die Person, die wir einst Ruth nannten, als kenne sie mich schon so lange und so gut, um das bewerten zu können. Auf irgendeiner rationalen Ebene weiß ich, dass sie vermutlich recht hat, aber ich möchte mir das nicht eingestehen. Nicht nur, weil ich das mit dem Nichtloslassenkönnen problematisch finde, sondern weil ich mir nicht eingestehen will, dass sie mich so gut kennt. Ich möchte das nicht. Vor allem nicht, wenn es die Person ist, deren linke Hand gerade mit meiner rechten verschmilzt. Oder war es meine linke und ihre rechte? Selbst Richtungen ergeben gerade nur noch wenig Sinn.

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Die Nichtauflösung

Als ich die Hand hielt.

Ein blauer Himmel, von einem Schiff aus fotografiert. Am Rand des Bildes ist ein Zeppelin zu sehen.

Ich wusste eigentlich schon von Anfang, dass ich die Hand halten wollen würde. Es handelt sich um die linke Hand der Person, die wir einst Ruth nannten. Genau wie ich verschwindet sich langsam in dieser dichten Nebelzuckerwatte, von der ich das Gefühl habe, dass sie mich verschlucken wird. Bis vor wenigen Sekunden hielt ich das noch für eine gute Idee. Ich würde ins Nirwana eingehen, würde eine Grungeband gründen, würde irgendwann nichts mehr fühlen. Das wäre eine gute Entwicklung, weil das viele Fühlen so anstrengend ist und ich es kaum aushalte.

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