Der Jahrzehntanfang

Als ich lange schlief.

Ich schlafe lange, viel länger als sonst. Und überlege mir sogleich, dass das wohl etwas heißt, dass ich den Schlaf wohl wirklich gebraucht haben muss. In Wirklichkeit bedeutet es möglicherweise nur, dass ich gestern nicht so viel Wasser getrunken habe und deswegen nicht früher auf‘s Klo musste. Oder so etwas in der Art.

Es ist ein Samstag, es ist ohnehin nicht wichtig, ich hatte keine Pläne. Wenn mich Menschen fragen, fühle ich mich so, als müsste ich Pläne haben. Aber reicht es nicht, einfach zu wissen, dass es für mich reicht, einfach nichts vorzuhaben. Ich muss es auch argumentieren können, ich muss dabei selbstsicher genug wirken, um zumindest mich selbst zu überzeugen.

Wir sind nicht mehr in den Neunzigern, es gibt keine durchsichtige Telefone mehr, die man aushängen kann, um mit einem Sahnejoghurt ins Wochenende zu starten. Dies sind die 2020er-Jahre und alles, was sie uns bieten, ist der sich ständig beschleunigender Untergang all unserer Lebensgrundlagen.

2 Kommentare “Der Jahrzehntanfang

  1. Seitdem ich RSS wieder anders konsumiere (also überhaupt) bin ich auch wieder regelmässig hier zum lesen und jetzt muss ich mal sagen: Hach! Schön. Danke! Ich glaube ganz ernsthaft … Lyrik, ja eigentlich sogar lyrische Prosa, ist der einzige Weg, die Wirklichkeit wirklich angemessener zu verstehen. Danke für die stet Erinnerung daran.

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