Über das Denken

Als ich über mein Denken nachdachte

Ein Glas mit trüber Limonade, in der eine Lychee schwimmt.

Zurzeit kursiert dieser Artikel im Netz. Ich dachte, er würde das Phänomen, welche Personen wie denken und wieso nicht alle einen „inneren Monolog“ haben, genauer untersuchen und beschreiben. Leider lassen sich alleine durch Überschriften lustige Blogsposts nicht mehr von ernsthaftem Journalismus unterscheiden (Ich bin da selbst nicht ganz unschuldig) und auf die URL habe ich nicht geschaut. Die Person, die das geschrieben hat, ist ja sehr überrascht, dass nicht alle Menschen einen internen Monolog haben. Mir ist das schon länger klar.

Vielleicht hatte ich nur schon früh eine sehr starke Neugier für die Wahrnehmung anderer Menschen. Ich hab mich zum Beispiel spätestens als junger Teenager gefragt, ob ich Farben eigentlich genauso wahrnehme wie andere Menschen. Ich weiß auf jeden Fall, dass ich so mit 14 oder 15 mal eine Person gefragt habe, in welcher Sprache sie denkt und die Person mir antwortete, dass sie überhaupt nicht in Wörtern denkt, sondern eher in Konzepten und so. Das fand ich spannend, konnte mir nichts darunter vorstellen und mir war mit meiner Frage auch nicht weitergeholfen.

Das mit der Sprache beschäftigt mich immer noch. Möglicherweise ist das auch ein Mehrsprachigkeits-Ding, vielleicht auch ein Joël-Ding, aber ich … weiß nicht genau, in welcher Sprache ich normalerweise denke. Wenn ich mich auf eine bestimmte Sprache konzentrieren muss, weil ich in der lese, schreibe oder spreche, denke ich auch in der (zumindest switche ich bei Deutsch und Luxemburgisch ganz klar, bei Französisch und Englisch ist es nicht immer ganz so ausgeprägt). Aber meine Gedanken sind jetzt nicht ein ständiger innerer Monolog, als würde ich einen Noir-Film anschauen.

Überhaupt verwirrt mich die Phrase „innerer Monolog“, denn ich habe eher das Gefühl, dass da zumindest noch ein zwei Stimmen mehr sind, die mitreden, die gefühlt auch in unterschiedlichen Bereichen meines Kopfes sitzen. Nicht, dass die nicht Teil von mir seien, aber sie fühlen sich ein wenig an wie die Skills bei Disco Elysium, die auch miteinander bzw. mit dem Charakter reden. Ganz so wirr wie in dem Spiel ist nicht, aber vielleicht vergleichbar. Außerdem hängt das stark von meinem Zustand ab. Berauscht sind da schon mal mehr oder noch ganz andere Stimmen – und da ist der innere Dialog auch stärker ausgeprägt.

Mein Denken (und darüber hinaus auch mein Schreiben) ist oft sehr beeinflusst davon, was ich gerade so medial konsumiert habe. Bücher, Serien, Musik, Filme, Spiele, aber auch Gespräche mit anderen Menschen machen, dass ich deren Tonfall übernehme und mein Hirn das fortführt. Ich glaube, dass das auch in jeder der vier Sprachen, die ich spreche, funktioniert.

Ich würde gerne noch mehr schreiben, denn es gäbe sicherlich noch mehr zu beobachten und zu schreiben, aber ich finde das Thema sehr anstrengend. Wenn ich darüber nachdenke, wie ich eigentlich denke, ist das ein wenig so, wie nicht an einen rosa Elefanten zu denken – natürlich führe ich einen inneren Monolog, wenn ich darüber nachdenke, ob ich das tue!

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