Die beste aller möglichen Scheißrealitäten

Als es nicht aufhörte.

Wenn ich mich beschäftige, fällt es mir fast nicht auf. Das ist eine Verbesserung angesichts dessen, dass ich gestern noch zwischen Menschen saß und schreien wollte, weil ich es nicht mehr aushielt. Beunruhigende Gedanken krochen in meine Hirnrinde, gleich begrüßt von den wenigen Verteidigungstruppen, die da stehen. Ich entschied mich aus Gründen der sozialen Verträglichkeit dazu, nicht zu schreien.

Ich stehe in der Schlange, um mir ein Sandwich zu kaufen und überlege, ob ich noch genügend Zeit haben werde, es zu essen, bevor die nächste Sitzung beginnt. Außerdem: Was ich auf meinem Sandwich haben will, wie ich das am Besten ausdrücke, will ich wirklich ein großes Sandwich? Die Welt wirkt in Ordnung. So in Ordnung, wie diese Welt halt wirken kann, in ihrem ewigen Strom von Scheiße, ihrer überhitzten Atmosphäre und den Menschen, die in der Kälte und dem Schmutz sterben, obwohl sie eigentlich nur nach Hilfe suchen.

Ich kann mich selbst nicht leiden, ich leide nur. Als ich die Passage überquere, die über den Bahnhof führt, stelle ich mir wieder die Frage, ob ich mich nicht wohl fühle in dieser meiner Agonie. Mag ich es, mich so zu fühlen, obwohl ich es eigentlich dann doch hasse? Als ob das etwas ändern würde, als ob ich mich selbst glücklich denken könnte.

Ich könnte natürlich Ursachenforschung betreiben und mich auf den Gedanken einlassen, dass ich nicht in der perfektesten aller für mich möglichen Welten lebe. Ich könnte beschließen, dass ich in eine andere Stadt oder auf eine Insel ziehen müsste, um dort mein Leben neu zu beginnen. Abgesehen davon, dass ich das nicht so einfach kann, weiß ich auch einfach, dass es nichts helfen würde. Diese Scheißrealität ist zumindest im Moment die beste aller möglichen Scheißrealitäten.

Ich hasse die Frage, wie es mir denn geht, nicht von ungefähr – ich muss dann darüber nachdenken und finde immer öfters raus, dass es nicht so geht.

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