Der Anfang

Als ich den Mond sah.

Als ich meine Augen wieder öffne, stehe ich im Wald. Es ist jener Wald, in dem ich öfters mit dem Hund gehe, so matschig und nass und kalt und dunkel wie immer. Hat es hier begonnen? Nicht weit von dem Weg, auf dem ich stehe, sind die alten Minen, ich muss nur die Treppen hinabsteigen, mich gut an dem Stahlseil festhalten und einen Schritt vor den anderen setzen, dann spüre ich schon den kalten, muffigen Wind, der aus ihnen weht.

Ich sage, dass es mir besser geht, aber ich weiß nicht, ob das wirklich stimmt. In den letzten Tagen weiß ich überhaupt nichts, ich kenne nur das Auf- und Ab von zu wenig Schlaf und zu viel Koffein. Irgendwann fällt der Strom aus, aber wir gehen keinen Kaffee trinken. Mein Computer funktioniert weiter, ich tippe meinen Artikel auch ohne Internet. Die Show muss weitergehen.

Wenn ich mich irgendwie durch die Gitterstäbe zwinge, könnte ich hinabsteigen, tief unter die Erde, wo einst Menschen den Reichtum eines Landes herausgruben, das sie stets als Fremde betrachten würde. Ich könnte zurück an den Anfang, durch das warme Wasser waten, in die Kathedrale aus Beton, vielleicht sogar wieder in den Porzellanladen.
„Und jetzt?“
Ich sehe die Person, die wir einst Ruth nannten, nicht. Ich nehme an, dass sie dennoch da ist. Alleine diese Annahme ist Wunsch genug, sie heraufzubeschwören.

Ich vergesse meine Kopfhörer im Büro. Immerhin sind es nicht die Schlüssel, was weitaus unangenehmer wäre. Das Radio stört mich beinahe nicht, auf der Autobahn ist ohnehin nur der Luftzug zu hören, als wäre frische Luft Anfang März auf der Autobahn eine Notwendigkeit. Ich spüre keine, ich spüre nur diese verdammte Handfläche.

„Jetzt sind wir hier. Es macht ohnehin keinen Unterschied. Du hast den Anblick der Sterne nicht ausgehalten, also sind wir im Wald. Und nicht zurück am Anfang, falls du das dachtest. Es gibt kein Zurück mehr.“

Zwischen den Baumkronen lässt dich eine fahle Wolkendecke erahnen, und hinter der Wolkendecke ein blasser Mond.

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