Der Vorfrühling draußen

Als ich eine Wanderung machte.

Zuerst suchen wir – nicht erfolgreich – am Friedhofes nach Bärlauch. Wo der Hang hinter dem Friedhof, auf dem es welchen gibt, genau sein soll, wie uns gesagt wurde, erschließt sich uns nicht ganz. Die Atmosphäre ist merkwürdig, weil vor dem leeren Friedhof jede Menge Autos stehen, aber die parken vermutlich ständig da. Im Dorf sind ein paar Menschen vor der Tür, meistens mit Hunden oder zum Rauchen. Alle halten Abstand und grüßen sehr freundlich. Während außer uns vor allem Familien oder Paare unterwegs sind, hätte ich fast das Bedürfnis, uns allen ein Schild mit „Es ist okay, wir wohnen zusammen“ umzuhängen.

Ich bin den Weg noch nie gegangen, er führt uns aus dem Dorf hinaus, einen steilen Hügel hinauf. Anfangs dachte ich, wenn das das Tempo dieser kurzen Wanderung sein sollte, würde das eine schwierige Aufgabe für mich. Zum Glück handelte es sich um die steilste Steigung diese Wanderung, so dass ich danach gut mitkam und das Tempo gemütlich fand. Die Namen, an denn wir vorbeikommen, klingen für mich immer noch so magisch, wie Flurnamen für mich als Kind bereits magisch klangen. Die Kuppe ist zwar weder gelb, noch aus Butter, aber er heißt so.

Wir gehen an Ruinen entlang, von denen ich als Kind fasziniert im Geschichtsbuch gelesen habe. Ich lerne, dass hier Münzen geprägt wurden – Luxemburg war also schon immer irgendwie ein Bankenzentrum – und die Siedlung größer war, als ich sie mir vorgestellt habe. Ich erkenne nicht ganz, ob die Wälle, die es hier gab, wirklich noch zu erkennen sind oder ob wir nur auf die Geologie des Ortes zurückzuführen ist. Auf dem Satellitenbild ist die Form auf jeden Fall zu erkennen. Ich lese nach, dass die Gegend die richtigen Ressourcen hatte. Ein merkwürdiges Gefühl, dass auf dieser recht verlassenen Kuppe einst ein regionales Zentrum bestand, dessen Geschichte vor viertausend Jahren begann. Und wir wohnen heute in dem Tal und schauen zur Kuppen hoch.

Es ist kein Winter mehr, auch wenn die Temperaturen wieder gesunken sind, vor allem im Vergleich zu den Vortagen. Außerdem bläst ein kräftiger Wind. Es macht mir nichts aus, ich bedauere nur, dass der Wald noch vergleichsweise kahl ist, aber es wird vielleicht noch einen Monat dauern, bis alles grün ist. Die Nachmittagssonne fühlt sich großartig an, ich kann es gar nicht fassen. Wir kommen an einem jungen Buchenhain vorbei, alles fühlt sich unglaublich lebendig an. Zwischen den noch kahlen Bäumen blühen bereits erste Pflanzen, und alles ist in dieses magische Licht gehüllt, das ich nicht beschreiben kann.

Als wir bereits wieder in unserer Straße stehen und in drei Minuten zu Hause wären, entschließen wir uns zu einem Schlenker durch „unseren“ Wald, durch den wir regelmäßig gehen, und es fühlt sich wirklich wie nach-Hause-kommen an. Die Luft im Tal riecht anders, alles wirkt feuchter und etwas dunkler, die Felsen gleichsam bedrohlich aufragend und beruhigend wachsam. Die Strukturen, die hier im Wald herumstehen – ein alter Eisenbahnwagen, von dem nur ein Skelett übrigbleibt, die Überreste von Häusern, auch eine Mauer – sind wohl allesamt viel weniger alt als das keltische Oppidum, und dennoch wirken sie verwitterter, als würde die Zeit hier schneller mahlen – außerdem ist kein Zaun um sie herum gebaut.

Nachdem ich meine Schuhe ausgezogen habe, ist mir leicht schwindelig. Ich spüre meine Beine bereits, und ich mag das Gefühl.

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