Keine Enklave

Als jemand über das Piano sang.

Ich kann mit dem Piano nichts anfangen, aber ich mag den Song darüber. Eigentlich habe ich persönlich ja gar nichts gegen das Piano, aber mein früheres Ich hatte da eine tiefe Verbindung mit einer Piano-Geschichte, die damals noch nicht so lange her war und deswegen war das Piano unsympathisch – obwohl es ja eigentlich gar nicht das Piano war.

Ich bin abgelenkt und frage mich, ob dieser Zustand bereits länger anhält. Ich habe es den Tag über vielleicht mit etwas anderem kompensiert, mit Rauchpausen und Kaffee und nur mal hier und nur mal dort schauen, wer was wo ins Internet geschrieben hat und ob ich nicht darauf reagieren sollte. Und dann schaue ich nochmal zehn Minuten rein, weil es so schön ist und gerade alles so interessant. Vielleicht sollte ich das zu meiner Berufung machen und diese Sache mit dem Schreiben sein lassen.

Es ist also der zweite Montag in dieser Isoliersituation. Es fühlt sich immer noch merkwürdig an, gestern drei Stunden durch den Wald gegangen zu sein. Ansonsten bin ich halt auf dem Schiff – oder dem, was sich so anfühlt. Wieder singt jemand über das Piano, aber das hat ja nichts mit dem Schiff zu tun, auf dem ich mich metaphorisch befinde. Niemand spricht mehr über Handwaschsongs. Was vor zwei Wochen noch lustig abgedreht war, ist heute die raugeschrubbte Realität an meinen Knöcheln.

Letzten Sommer träumte ich aus irgendeinem merkwürdigen Grund heraus von dem Leben in der ökosozialistischen queeren Enklave und nun lebe ich auf dem Schiff, das kein Schiff ist, sondern ein Haus in der relativen Behaglichkeit des freiwilligen Social Distancing, wie es schlecht erklärend genannt wird. Hier ist auch alles zusammengewürfelt, wir machen Dinge mit einem Garten, ich kann mir eine sinnlose Aufgabe suchen und ein Buff über meine Stirn ziehen, so dass meine Haare lustig stehen und ich aussehe wie ein kiffender kalifornischer Hippie. Oder das, was ich dafür halten würde. Das hier ist keine Enklave.

Ich habe kein Fazit, aber mir wächst ein Pickel auf der Hand. Zu allem Überfluss.

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