Die Kribbellosigkeit

Als es nicht kribbelte.

Meine Hände kribbeln nicht. Ich kann mich nicht erinnern, wann das verschwunden ist, vermutlich irgendwann mit dieser ganzen Isolation, die so isoliert gar nicht ist. Es ist nicht zurückgekommen, auf jeden Fall nicht so heftig wie in den Wochen davor. Diese Zugfahrt, während der ich es nicht aushielt, platzen oder zumindest schreien wollte, sie wirkt immer mehr wie ein Traum und nicht wie die Realität. Aber Zugfahrten, in Zügen voll mit Menschen wirken dieser Tage ohnehin wie ein Traum.

Ich werde wütend, obwohl es überhaupt keinen Grund gibt, wütend zu sein. Und ich merke, dass das Gefühl wieder da ist, ganz ohne Handkribbeln. Es nervt mich mehr als dass es mich stört, aber ich kann es überhaupt nicht brauchen. Ich bin antriebslos, trotzdem schicke ich am Abend einen Text ab, trotzdem tippe ich diese Zeilen.

Ich stelle mich in den Garten und rauche und schaue in den Himmel, und statt mich einfach zu wundern, muss ich mir eine App herunterladen, die mir anzeigt, welche Sterne sich wo befinden. Ich hatte schon einmal genau die gleiche installiert, die ich aber nur selten benutzt habe, weil sie so umständlich zu bedienen ist. Ich lerne also nicht aus meinen Fehlern.

„Das chemische Ungleichgewicht in deinem Hirn ist nicht dein Fehler!“, möchte ich mir zurufen, aber ich würde mir überhaupt nicht zuhören.

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