Das Hitzesitzen

Als es nicht ruhig war.

Es ist alles andere als ruhig. Auf einem Balkon spielt jemand Akkordeon, seine Nachbarn versuchen, es mit einem französischen Radiosender zu übertönen. Ich sitze in der Hitze der ganzen 20 Grad Celsius, die uns versprochen und auch eingehalten werden.

Nach genau drei Minuten und vielleicht fünf Seiten bin ich nicht nur gelangweilt, sondern merke auch, wie sich meine Haut leicht rot verfärbt. Immerhin gibt es Sonnencreme und Schatten, so dass ich mein Buch zu Ende lesen kann, nach viel zu langer Zeit. Immerhin hat diese Quarantäne, diese Isolation, dieses Distanzieren etwas gebracht.

Es ist immer noch nicht ganz weg, aber es ist zumindest auch nicht stärker geworden. Ich stehe abends unter den Sternen und rauche, so wie ich es jeden Abend tue und fühle mich einsam, obwohl ich es nicht bin. Es sind so viele Sterne zu sehen, fast möchte ich wieder die App rausnehmen. Aber selbst am Abend ist es nicht still, irgendwer telefoniert. Ich lege meinen Kopf in den Nacken, schaue die Sterne an und versuche mich zu erinnern, in welche Richtung der Mond zunimmt. Beinahe dreiunddreißig Jahre auf diesem Planeten und ich habe noch nicht oft genug in den Nachthimmel geschaut, um das auf Anhieb zu wissen.

Zwei kleine To-Dos habe ich am Abend noch, und ich besorge sie einfach, was mir etwas Hoffnung gibt. Vielleicht kann ich in der kommenden Woche ja produktiver sein, meine Aufgaben schnell und zielgerichtet erledigen und dann den Nachmittag damit verbringen, den Wildbienen und Hummeln dabei zuzusehen, wie sie sich im Garten vergnügen. Oder ich schlafe einfach, bis das alles vorbei ist.

Leave a Reply

Your email address will not be published.