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Das Mondlicht im See

Als ich an die Seenächte zurückdachte.

Es ist ein ruhiger, sonniger Tag, von dem ich zu viel vor einem Bildschirm verbringe. Im Endeffekt macht das nicht, weil ich den Rest der Zeit in der Gartenlaube sitze und lese oder esse oder rauche und am Ende des Tages trinke ich ein Bier, zu dem ich eigentlich Musik hören müsste, aber mir ist nicht nach Festival. Mir war noch nie nach Festival. Eigentlich sollte ich am See sitzen und die Nervosität und addierte Müdigkeit des letzten Abends spüren. Vielleicht würde ich auch dort ein Bier trinken, aus dem Automaten, der langsam arbeitet.

Ich würde in dem Zelt stehen und vielleicht sogar eine Runde tanzen, wenn dieses eine Lied spielt und für den Rest würde ich herumspazieren und mich fragen, was ich da eigentlich genau mache, in dieser Einsamkeit unter all diesen lieben Menschen. Ich habe keine Ahnung, wie oft ich mir das Herz gebrochen habe in der Annahme, irgendetwas könnte passieren. Aber irgendwann ist ja tatsächlich etwas passiert und bis heute begreife ich nicht, wie das sein konnte.

Über uns war der Mond, neben uns der See.

Einmal konnte ich in der letzten Nacht nicht schlafen und konnte den Sonnenaufgang am See fotografieren, den ich in der Hoffnung, es könnte noch einmal etwas passieren, hunderte Kilometer gen Osten schickte. Meistens ging ich zu früh von der Party in diesem Zelt schlafen, mit meiner Wärmeflasche und trat dann frühmorgens die Reise über den See wieder an.

Wie gerne ich wieder auf diesem Schiff wäre.

Die Bleidecke

Als ich sehr müde war.

Ich bin so müde, aber es ist eine gute Müdigkeit. Ich habe mich selbst gezwungen, weil ich aus irgendeinem Grund Ambitionen entwickelt habe, die ich selbst nicht ganz verstehe. Jetzt fühlt sich jede Gliedmaße an wie aus Stein und jede Nachricht, die ich beantworten soll, ist ein mehrschichtiges Rätsel. Eine schwere Decke liegt über mir. Ich will noch einmal in den Garten und den Himmel zu den Sternen recken, auch wenn es schmerzt, ehe ich schlafe.

weekend reading 60

Als es sich wie zwei Wochen anfühlte.

Am Anfang jeder Woche denke ich „Oh toll, so viel habe ich gar nicht zu tun, vielleicht bei Zeit für einige Dinge, die liegengeblieben sind“ und dann stellt sich im Laufe der Woche heraus, dass doch viel mehr zu tun ist. Nicht alles, was ich in den letzten Tagen getippt habe, ist schon online, aber immerhin zwei Sachen: Meine Kritik zu The Midnight Gospel und meine Analyse der EU-Biodiversitätsstrategie.

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Der Abbau

Als ich endlich fertig wurde.

Der Turm ist endlich abgebaut. Fein säuberlich habe ich alle Bauteile auseinandergeschraubt und in Kisten gepackt, die für einige Stunden auf dem Fußboden meines Kopfes lagen, ehe eine Spedition sie abholen kam. Die nächsten Tage sollten ruhiger werden, ich kann mich auf jeden Fall zumindest für heute zurücklehnen.

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Der Rotschwanz

Als wir Besuch hatten.

Eine Vogelfamilie besucht den Garten. Einer von ihnen, er muss noch jung und wenig scheu sein, bleibt lange sitzen, obwohl ich mich langsam nähere und versuche, ein Foto zu machen. Ich frage mich kurz, ob wohl ein Vogel verletzt ist und die anderen ihm helfen wollen, aber alle fliegen davon und ich finde auch kein Exemplar in einer dunklen Ecke. Weiter hinten im Garten flattert noch ein anderer, größerer Vogel auf. Vermutlich gab es irgendein Treffen, das ich gestört habe, weil ich etwas Spinat pflücken wollte. Gerne würde ich mehr darüber wissen, was diese Rotschwänze gemacht haben – war es ein erster Familienausflug, haben wir besonders schmackhafte Krümel oder zieht unser immer noch recht wilde Garten so viel Insekten an, dass er ein besonders lohnenswertes Ziel darstellt?

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Der Aufgabenturm

Als es sich in meinem Kopf stapelte.

Ich erlebe ein Abenteuer, aber mir wäre lieber, es wäre keins. Im Endeffekt stellt sich heraus, dass es überhaupt nicht so nötig gewesen wäre, wie es auf den ersten Blick schien. Aber wenn du dickes Briefpapier benutzt, kann so gut wie jede Angelegenheit wichtig wirken. Ich würde gerne auf die Landschaft starren, die an mir vorbeizieht, aber auf meinem Telefon passieren so viele spannende Dinge, dass ich das doch nicht schaffe. Meine Aufgaben türmen sich hoch, stapeln sich in meinem Kopf und das macht mich so unruhig, dass ich den Abend damit verbringe, eins dieser Dinge auf meiner To-Do-Liste abzuarbeiten, als bräuchte ich keine Entspannung.

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Der aufgeheizte Asphalt

Als ich einen bestimmten Song hörte.

Ich höre das Lied, das ich damals gehört habe, als ich zum ersten Mal aus G. nach Hause gefahren bin und mir bereits ausgemalt habe, dass das, was gerade erst begonnen hatte, irgendwann zu Ende sein würde. Der Bus war noch nicht aus der Stadt und ich bereits melancholisch über eine Zeit, die eben erst begonnen hatte. Das ganze Album hörte ich auf der Rückfahrt, euphorisiert. Es wurde über die Zeit zu dem Soundtrack dieses Jahres, zum Soundtrack dieser schlechten Beziehungen, von denen ich von Anfang an hätte wissen können – oder wusste ich es gar?

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Die Sonntagsnachmittagsmelancholie

Als ich am Beckenrand saß.

Ich setze mich auf den Beckenrand, schaue das Abendlicht an, das auf den Rosenbusch scheint und frage mich, wie oft ich noch von der Melancholie der Sonntagnachmittage schreiben kann, an denen die erdrückende Länge der nächsten Woche so stark wirkt, dass ich an sonst nichts mehr denken kann. Das ist neu, scheint mir. Ich hatte dieses Gefühl, keine Lust auf die kommende Woche zu haben schon als Kind, aber die Schwere und Heftigkeit kommt mir neu vor. Vielleicht war ich letztes Wochenende auch lediglich zu müde dafür und empfinde es deswegen heute als umso heftiger.

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Das Wechselspiel

Als ich über die Interaktion zwischen Mensch und Natur nachdenken musste.

Eine weitere Wanderung. Diesmal, nach 11,5 Kilometern, traue ich mich, das so zu nennen. Ich bin recht schnell unterwegs, vor allem am Anfang, obwohl ich öfters auf mein Telefon schaue, um den richtigen Weg zu finden. Nun, nachdem ich drei Touren durch dieses Waldgebiet hinter mir habe, würde ich mir fast zutrauen, ohne jedes Hilfsmittel zu gehen. Aber die Idee, sich eine Aufzeichnung einer Tour, die irgendwer vor mir gemacht hat, auf das Telefon zu laden, war gar nicht so schlecht. Ich liebe das ehemalige Tagebaugebiet, das die Natur langsam zurückerobert, in dem manche Flächen als Trockenrasen gehalten werden, in anderen die Birkenwäldchen langsam die natürliche Sukzession anführen.

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weekend reading 59

Als ich müde Links zusammensuchte.

Ich bin heute 11,5 Kilometer gewandert, was dann doch nicht so wenig ist, wenn eins das wie ich beinahe nie macht. Kann also sein, dass ich gerade ein wenig müde bin und nicht so viele Links zusammenkrieg, wie ich eigentlich wollen würde. Ich habe diese Woche das Editorial über den Systemwechsel, der nach der Krise endlich kommen müsste, geschrieben. Außerdem etwas über Schottergärten.

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