Die Dünnhäutigkeit

Als ich über Verwundungen nachdachte.

Zwischen dem Kaffee und der Arbeitswiederaufnahme kommt ein Thema auf, mit dem ich nicht gerechnet hätte, das unerwartet die ganzen Balkonsehnsüchte aufreißt wie eine noch nicht verheilte Wunde. Ich muss gleich auf meine Hand schauen, in die ich mich gestochen habe, als ich den Pizzakarton verkleinern wollte, wie der unglaublich große Vollkoffer, der ich manchmal sein kann. Es ist nichts mehr zu sehen, nur noch eine Rötung und ein Hautfetzchen, das ich abziehe und esse, weil mir mein Instinkt das so gebietet.

Wir reden über Wünsche und Träume und Unerfülltes. Wobei ich gar nicht viel dazu sage, weil ich am liebsten nicht darüber nachdenken würde. Ich fühle mich dünnhäutig dieser Tage, als könnte jede noch so kleine Schramme gleich bluten. Als ob ich durch den kleinen Schritt in Richtung Brunnen versinken könnte in einem Morast, der mich nach unten zieht und mich nicht mehr loslässt. Ich wage es nicht, zu viel über die Zukunft nachzudenken, nachdem sie so ungewiss ist, dass ich mir nicht einmal einen Sommerurlaub so richtig zutraue.

Ich werde einfach einen langen Weg gehen, ohne Ziel, immer der Nase lang.

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