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Das Stanniolpapier

Als ich über Frisuren nachdachte.

Ich überlege mir, die Haare ganz kurz zu schneiden, so wie ich es im Sommer 2008 machte, als ich eine Veränderung wollte und mir irgendwann im Zug klar wurde, dass der Tag gekommen sei. Ich weiß nicht, ob ich solche katarsischen Momente in meinem Leben brauche oder ob ich lediglich eine andere Frisur will. Eigentlich weiß ich so wenig, dass mir nicht einmal klar ist, warum das Thema mich auf einmal beschäftigt.

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Das Einatmen

Als ich den Nebelhörnern zuhörte.

Ich höre diese Nebelhörner (von denen ich hier erfahren habe), die im Jahr meiner Geburt aufgenommen wurde und fühle mich merkwürdig verbunden mit einer Aufnahme von einem Ort, mit dem ich nichts zu tun habe, aus einer Zeit, die ich nicht einmal miterlebt habe. Die magische Vorstellung, dass sich jemand für seine Frau in die nebelige Nacht stellt und die Nebelhörner aufnimmt, gefällt mir, ich finde sie beinahe magisch.

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Die Zucchiniernte

Als ich keinen blauen Fleck behielt.

Ich verbringe den Tag vor dem Rechner, zocke, stöbere im Netz, mache nichts produktives und am Abend frage ich mich, ob meine Augen nicht deswegen schmerzen. Ich verschreibe mir etwas Abwechslung und gehe in den Garten und ernte Zucchini. Fünf Stück sind es, sie sind alle so schwer und groß, dass wir lange davon essen werden. Eine ist klein, sie liegt ohne Strunk unter der Pflanze. Ich bringe das Gemüse in den Keller, es ist schwer und zieht an meinen Armen. Als ich die Kellertür öffne, renne ich aus Versehen in die Klinke, die sich zwischen meine Rippen bohrt. Ich muss laut „Aua!“ sagen, so sehr schmerzt es, einen Moment lang.

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Das Schweben

Als ich Orakel war.

Ich habe das Gefühl, über den Dingen zu schweben. Ich weiß nicht, wo das herkommt, vielleicht fällt auch einfach Spannung von mir, weil die Woche sich dem Ende neigt und deswegen werde ich etwas leichter und schwebe ein paar Zentimeter über dem Boden. Wir üben schon einmal das neue Normal, fällt mir zufällig kurz vor Mitternacht auf. Nicht die, von der alle reden, sondern die eigene, die, die erst spruchreif werden muss.

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Das Melancholie-Perpetuum Mobile

Als ich eine Realisierung hatte.

Alle paar Wochen sitze ich herum, starre vom Betonboden des Innenhofes auf den Himmel, entweder blau, wolkenverhangen oder sternenklar und ich muss darüber nachdenken, was digitale Kommunikation mit mir macht, wie so viele Ebenen geschaffen werden von Zwiegesprächen, Gruppenchats, Social-Media-Profilen, die sich je nach Plattform so anders anfühlen. Meine Gedanken rasen, ich schaffe es natürlich nicht, sie mir einzuprägen und kann sie auch nicht mehr einzeln aufdröseln. Ich sollte ein Manifest schreiben, oder etwas in der Art.

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Die Lustlosigkeit

Als ich wirklich keine Motivation hatte.

Ich nerve mich selbst, weil ich nicht mehr mache, obwohl ich den ganzen Tag etwas mache und nicht einmal wirklich prokrastiniere. In Wirklichkeit versuche ich nur, gegen Windmühlen zu kämpfen, die per Definition nicht zu bezwingen sind. Die Motivation, die ich am Vortag hatte, war wohl für die ganze Woche gedacht. Trotzdem muss ich irgendwie dadurch, trotzdem komme ich am Ende aus einem Tunnel, der so schlimm gar nicht wirkt. Am Ende bleiben mir nur wenige Minuten, um noch etwas zu schreiben – und selbst dafür habe ich keine Lust.

Die Moosfüße

Als ich von einem Pilzgericht träumte.

Ich schlafe jede Nacht meinen traumlosen Schlaf, aber ich würde gerne träumen, von all den Dingen, an denen meine Gedanken nur vorbeistreifen. Ich möchte träumen, wie ich eine Pilzpfanne koche und sie alleine verspeise, in einer kleinen Hütte im Wald, die so heimelig wirkt, dass ich am Liebsten ganz einziehen möchte, auch wenn nicht für viel mehr Platz ist als mich und meine Pilzpfanne, die ich über dem Feuer draußen in einem Kochgeschirr aus schwarzem Metall gekocht habe.

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Der Kulminationspunkt

Als ich einen Drink mit Eis hatte.

Unter der grauen Wolkendecke sammelen sich in einem Eiswürfel alle unerfüllten Hoffnungen das zuendegehende Wochenende betreffend. Der Eiswürfel ist in meinem Drink, in dem ich nervös mit einem rosa Strohhalm herumrühre, weil sich der Zucker nicht ganz aufgelöst hat. Der Eiswürfel knackt, ich höre es kaum.

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Das Wolkenfeld

Als etwas über mich zog.

Ich stehe im Garten und starre den Himmel an. Es ist einer dieser merkwürdigen Momente, in denen mir bewusst wird, was ich da alles sehe, dass ich auf diesem kleinen unbedeutenden Gesteinskügelchen in einer besorgniserregend dünnen Atmosphäre in dem großen Nichts stehe. Ich fühle mich verbunden, fühle die Wassertröpfchen in den Wolken über mir und den Grund unter mir.

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