Das Melancholie-Perpetuum Mobile

Als ich eine Realisierung hatte.

Alle paar Wochen sitze ich herum, starre vom Betonboden des Innenhofes auf den Himmel, entweder blau, wolkenverhangen oder sternenklar und ich muss darüber nachdenken, was digitale Kommunikation mit mir macht, wie so viele Ebenen geschaffen werden von Zwiegesprächen, Gruppenchats, Social-Media-Profilen, die sich je nach Plattform so anders anfühlen. Meine Gedanken rasen, ich schaffe es natürlich nicht, sie mir einzuprägen und kann sie auch nicht mehr einzeln aufdröseln. Ich sollte ein Manifest schreiben, oder etwas in der Art.

Oder aber ich starre weiter in den Himmel und höre der Musik zu. Und fühle mich wie an einem anderen Ort, das umgekehrte Gefühl von diesem Gefühl, das eins in Träumen manchmal hat: Eins ist sich ganz genau bewusst, so eins sich befindet, aber alles sieht anders aus. Alles sieht gleich aus, fühlt sich aber irgendwie anders an, leicht bedrohlich.

Die Dämmerung ist gerade so weit fortgeschritten, dass es so gerade noch nicht Nacht ist. Und es ist so merkwürdig windstill, obwohl der Himmel ganz anders aussieht. Ich realisiere mit einem Mal, dass all das, was ich in den letzten Wochen so erstaunt festgestellt habe, dass das Getreide reif wurde und die Gräser in den Wiesen, Vorbote war von dem, was da kommen wird. Vielleicht habe ich auch einfach immer noch nicht ganz verstanden, wie Jahreszeiten funktionieren. Die Realisierung, so profan sie auch sein mag, füllt mich instant mit dieser Melancholie an einen Sommer, der noch nicht einmal vorbei ist und ich fühle mich wie ein Melancholie-Perpetuum Mobile.

Bis ich meinen Kopf in den Himmel recke und die Sommerluft spüre und die Sterne sehe und alles ganz kurz Sinn ergibt.

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