Der Zettelkasten

Als ich das Licht sah.

Ich gehe durch den Wald und habe hundert Ideen, die ich vermutlich alle niederschreiben sollte, bevor sie mich wieder verlassen. Als ich wieder zu Hause bin, sehe ich den Theaterkatalog auf dem Tisch liegen und habe sofort eine Podcastidee, die andere Menschen sicher besser umsetzen könnten als ich. Ich habe das großartige Bedürfnis nach einem Zettelkasten. Nur, um ein weiteres System zu haben, das ich nicht konsequent nutze, an dessen Potenzial ich nur mit den Fingernägeln kratze.

Ich sitze bei den Ruinen und rauche. Ich weiß nicht, ob das die feine Art ist, aber ich bin alleine hier und von den Menschen, die diese Fundamente gebaut haben, die wohl einmal ein Tempel waren, wird es kaum jemanden interessieren. Ich frage mich, ob das hier ein Treffpunkt ist, und für wen es ein Treffpunkt sein könnte. Wäre der Ort am Fuß des Hügel etwas größer, wären die Horizonte etwas weiter, ich könnte mir vorstellen, welche Art von Teenagern sich hier treffen und Unfug treffen würden. Ich sitze nur hier und genieße die Stille und meine Zigarette, bis ich abrupt weitergehe und in meinem Kopf das so oft durchgespielte, aber nie aufgeschriebene „Oh, wir sind alte Feind*innen und treffen uns unverhofft“-Szenario läuft.

Das Licht in den frühen Abendstunden überrascht mich immer wieder. Egal wie oft ich durch den Wald gehe, wenn alles in einem goldenen Glanz erstrahlt, kann ich nicht anders als Staunen. Ich weiß, dass ich hier nur erlebe, dass sich der Planet um sich selbst und um die Sonne dreht, aber ich bin im Wald und habe einen Horizont von wenigen hundert Metern, komme von alten keltischen Ruinen und mein einziger Referenzrahmen ist das Gefühl, das dieses Licht irgendwie magisch ist, etwas mit meiner Stimmung macht, das ich schlecht beschreiben kann.

Ein Kommentar zu “Der Zettelkasten

  1. Pingback: Die Tiefen | enjoying the postapocalypse

Leave a Reply

Your email address will not be published.