Das Äquinoktium (verspätet)

Als der Sommer zu Ende war.

„Das war er also, der letzte Tag des Sommers.“, sage ich und schaue in den Regen. Es hat angefangen. Das Datum ist sehr passend, ab jetzt kriecht die Dunkelheit nicht mehr langsam heran. Ich sehe mein Gegenüber, die Person die wir einst Ruth nannten, nicht an, während ich spreche. Was vor allem daran liegt, dass wir nebeneinander sitzen und in diesen Regen starren, der so ungewohnt wirkt.

„Vielleicht solltest du dich einfach auf Halloween freuen. All die coolen Kids machen das. Und du magst doch spooky Sachen?“
Ich seufze. Mir ist das Thema leicht peinlich. Es nimmt so viel Platz in meinem Kopf ein, aber ich kann es nicht in meinen Weltschmerztagebuchstil einbinden. Oder ich tue es oft nicht, weil ich viel zu spät mit Schreiben anfange und write what you know und so.

„Ich verstehe, was du meinst. Aber schau, du kannst diese Vignette schreiben, in der wir uns unterhalten und ausnahmsweise einmal nicht in wagen Andeutungen über dein Innerstes Gefühlsleben reden?“
Es ist so angenehm sich mit der Person, die wir einst Ruth nannten, zu unterhalten, weil ich meine überbordenden Gedanken nicht sortieren muss, sondern sie dem Strom selbst dann folgen kann, wenn ich ihn nicht ausspreche.

Bevor der nächste Satz gesprochen wird, ist ein Kichern zu hören, fast etwas spötttisch. „Kannst du nicht etwas über Werwölfe schreiben?“

Ich streichele über meine behaarten Arme, über meine ebenso behaarten Beine. Es ist kühl geworden. Aus irgendeinem Grund habe ich das dringende Bedürfnis, die Mondphase zu erspüren.

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