Der Mogeltee

Als ich nicht das richtige Getränk fand.

Ich sitze viel zu lange an dem Text, obwohl ich noch mindestens drei andere Texte vorhatte. Wie jede Woche, denke ich mir, als ich in einer Zigarettenpause auf den Regen starre. Es kommt mir auch vor, als regne es seit Monaten nur noch. Das stimmt alles nicht. Es ist nicht jede Woche so, und vor zwei Wochen hat es auch noch nicht geregnet. Es ist schon wieder alles anders, es ist schon wieder alles merkwürdig. Ich will mir einen Tee machen und obwohl dieses Haus über gefühlte vierundvierzig Teesorten verfügt, ist nicht das dabei, nach dem ich mich sehne.

Ich trinke also einen Schwarztee, aber der eignet sich nicht für das Ritual. Ich gehe mit meinem Tee in der Hand durch die Wohnung und lasse ihn auf meinem Schreibtisch viel zu kalt werden, um ihn dann natürlich trotzdem zu trinken. Er verspricht etwas Wärme und Linderung des Weltschmerzes, aber nur, wenn er noch zu heiß ist. Ich sehe das nicht als persönliche Kränkung, so wie ich versuche, nichts mehr als persönliche Kränkung zu sehen.

Alles was ich sehe, ist der Abgrund, in den wir sehenden Auges springen, alle miteinander, und an den Händen haltend.

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