Das All-you-can-eat-Buffet

Als ich einen Stich versetzt bekam.

Ungeahnt kommt ein Gefühl auf. Ich habe etwas gelesen, das mich erinnert hat, obwohl ich gar nicht weiß, ob ich mich nicht vielleicht irre, ob es überhaupt eine Bedeutung hat. Ein fieser, grüner giftiger Stich zwischen meine weichen Rippen. Ich versuche nicht an die Stadt und den Balkon und die Oktoberverzweiflung zu denken, sondern an luxemburgische Landstraßen. Nie werde ich verstehen, wie weit der Himmel über den Kuhweiden sein kann, wie gigantisch der Horizont über dem Asphalt zwischen den Dörfern.

Ich werde immer so melancholisch, wenn ich daran denke, wie die Regentropfen aufgrund komplizierter Prozesse zwischen Aerodynamik und Oberflächenspannung über Autofensterscheiben wandern. Noch ist das Grün neben dem Fahrstreifen saftig, noch gibt es ein wenig Tageslicht, noch kann man sich im T-Shirt in die Sonne stellen und nicht frieren. Noch, noch, noch. Es reicht nicht mehr lange.

Immer, wenn das Gefühl aufkommt, habe ich diesen Reflex, eine Diskussion anfangen zu wollen oder stelle mir die Fantasy-Version vor, mit Magie und Kämpfen zwischen kalter moderner Architektur aus Glas und Stahl und Stahlbeton. Energieblitze, Explosionen, das letzte große Sich-Ausreden in aller Öffentlichkeit. Nicht am All-you-can-eat-Buffet, sondern in einer Kampfsequenz, der Animeversion sich über Wochen hinzieht. Mir kommt das so kindisch vor und ich weiß auch nicht, ob ich außer „Was machst du denn hier?“ und „Ahhhhh!“ und „Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird!“ viel zu sagen hätte, bereits letzteres scheint mir reichlich übertrieben.

Deswegen der Versuch, an die Landstraßen zu denken. Nostalgisch denke ich an die Busfahrten zurück, bei denen der Bus versuchte, den Stau zu umfahren und deswegen über enge und viel zu schmale Landstraßen schlängelte und ich mich immer fragte, ob wir überhaupt eine Minute gegenüber dem Stau gewonnen haben.

Das Gefühl geht nicht. Der Stich sitzt, und ich muss alle Kraft aufwenden, mich nicht an Namen zu erinnern, nicht zu recherchieren und nicht in dieses Loch zu springen, das da vor mir klafft.

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