Die Scherben

Als ich Porzellan zerschlug.

Ich stehe in der Küche und bin wütend. So wütend, ich muss Porzellan nehmen und es auf den Boden schmeißen und dabei laut schreien (Im Hintergrund spielt „Sweet Dreams“ der Eurythmics). Zuerst das, was zum Abtrocknen auf dem Gestell steht. Dann reiße ich den Schrank auf, nicht ohne zuerst sehr undramatisch lang an dem Schlüssel gefummelt zu haben, der die Glastür versperrt. Jedes einzelne Teil werfe ich auf den Boden und schreie dabei, dass es mir im Hals schmerzt. Ich bin so rasend, ich denke nicht einmal mehr an die Ökobilanz meiner Zerstörungswut. Es interessiert mich nicht, dass all das Porzellan so energieintensiv hergestellt wurde. Ich will das Geräusch hören, wie es auseinanderbricht, wie die Gläser in zehntausend kleine Stücke zerbersten.

Wieder schreie ich und trete durch den Scherbenhaufen zum Gewürzregal und werfe öffne das Schraubglas mit dem Mononatriumglutamat und werfe es durch die Küche. Im hohen Bogen fliegt es zu seinem kurzen Ende am Küchenboden, das Mononatriumglutamat rieselt in eben dem Bogen durch die Küche. Würden die Scherben gut schmecken, würden sie jetzt noch besser schmecken. Vielleicht ist noch eine Currymischung in einem Glas, das nicht nur durchsichtiger Kunststoff ist, ich werfe es ebenfalls auf den Boden, ohne großen Effekt. Noch einmal schreie ich.

Ich stehe zwischen all den Scherben, atme immer noch schnell. Ich bin immer noch so wütend, aber jetzt auch über mich, weil ich aufräumen muss.

(Bei dem Schreiben dieses Textes kam kein Geschirr zu Schaden. Nur, falls sich jemand Sorgen gemacht hätte.)

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