Der Kompostkübel (2)

Als ich das Elsternlied hörte.

Ich gehe mit dem Kompostkübel zum Kompost. Ich habe meine Kapuze auf dem Kopf, eine glühende Zigarette im Mund und schalte das Elsternlied ein. Ich komme mir sehr mystisch dabei vor, obwohl ich für Außenstehende mit der Jogginghose, dem Totoro-Pulli und den ausgetretenen Schuhen gar nicht so aussehe, wie ich mich gerade fühle. Ein festgehaltener Ton schwebt in der Luft, während über den Vogel gesungen wird, den ich ebenso bewundere. Irgendwo über dem Komposthaufen fliegt er vielleicht, neugierig. Der Gedanke, nicht von einem unsichtbaren Auge, sondern von einem Vogel in der Nacht beobachtet zu werden: Beruhigend.

In meiner Erinnerung ist der Garten voller Nebel. Ich weiß, dass das nicht stimmt, aber ich kann nicht anders, als es mir so vorstellen. Mit der Handytaschenlampe leuchte ich mir den Weg, vorbei an den jungen Hecken, die in einem Jahr schon so viel gewachsen sind, an dem leeren Tomatenfeld, auf dem nichts mehr wächst, hin zu dem Komposthaufen unter der Esche, wo ich mein Opfer aus Orangenschalen und vergammelten Auberginen und Kaffeesud ausschütte. Es kommt mir merkwürdig vor, an einen Kreislauf zu denken, wenn das, was ich ausschütte, von so weit kommt und mit Nährstoffen hochgezogen wurde, die wiederum von ganz woanders kamen.

Es ist nicht schlimm. Der Biomüll wird zu Kompost, der Kompost kommt in die Erde, in der Erde wird etwas wachsen, das ich esse, ich werde die Reste wieder auf den Kompost geben. Das kann unsere Aufgabe auf diesem Planeten sein. Kreise schließen. Oder einfach nur den Müll rausbringen.

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