Der 2020-Rückblick

Als ich den Jahresrückblick schrieb.

Wenn ich an die Pandemie denke, die dieses Jahr so sehr vereinnahmt hat, muss ich oft daran denken, wie ich im Januar oder Februar unter der Dusche stehe, die Nachrichten höre und mein müdes Hirn eine Einschätzung vornehmen will, ob diese Krankheit in Wuhan jetzt gefährlich werden wird oder nicht. Rückblickend kann man sich immer naiv vorkommen. Aber Rückblicke sind nicht nur dafür da, sich selbst zu geißeln, auch wenn ich ein großer Fan der Selbstkritik bin, wie ich 2019 schon dargelegt habe.

Die alten Vorsätze

Das gute an der Dokumentation der Vorsätze im Blog ist, dass ich die alten einfach nur kopieren muss, ehe ich mich selbst bewerte.

  • Drei- bis Viermal die Woche bloggen: Geschafft. Es gab vielleicht ein oder zwei Tage, an denen ich keinen Eintrag geschrieben habe, weil irgendetwas schlimmes passiert ist. Allerdings sind die Einträge, die lediglich aus wenigen Sätzen bestehen, häufiger geworden. Ich bin allerdings sehr zufrieden, auch wenn die Pandemie inklusive Lockdown nicht unbedingt dazu beitragen, dass ich so viel mehr zu Schreiben hätte.
  • Etwas wie einen Roman schreiben oder veröffentlichen. Naja. Also eventuell läuft da etwas hinter den Kulissen, aber ich kann nicht sagen, dass ich einen Roman geschrieben hätte.
  • Etwas Sport machen. Schon. Laut meiner App bin ich zwischen Mai und September 206 Kilometer gewandert. Das habe ich neu für mich entdeckt, auch wenn ich wenig Lust hatte, das bei kaltem und nassem Wetter weiterzuführen. Das macht mir auf jeden Fall Spaß, und ich möchte es häufiger machen.
  • Mehr Lesen. Eher nicht. „Das kann nicht so weitergehen.“ schrieb ich letztes Jahr, und es stimmt halt immer noch.
  • Mehr Kontakt mit lieben Leuten halten. Naja. Ich würde sagen, das habe ich so halb geschafft, vor allem gegen Ende des Jahres wurde es wieder mehr. Und es kamen auch neue Leute dazu. Das ist schön so, das darf auch gerne intensiver werden.
  • Ein neues Theme für dieses Blog. Hahahaha. Vielleicht 2021 im Lockdown 4 oder so.

Das literarische Schreiben

Ich habe es schon erwähnt: Meine Texte hier im Blog sind kürzer geworden. Ansonsten habe ich wenig geschrieben, weil mir einfach die Zeit dafür fehlte. Mein zögerlicher Versuch, nochmal bei NaNoWriMo mitzumachen, wurde gleich am zweiten Tag total zerstört. Ich bin nicht unzufrieden, außerdem habe ich angefangen, Texte auf Twitch und Youtube vorzulesen, was ich eine sehr schöne Idee und einen netten Austausch fand.

Das journalistische Schreiben

Fand im Großen und Ganzen bei der woxx statt, neben zwei Texten für das Forum. Wir hatten schon vor dem ersten Lockdown (wenn man das denn so nennen will) an zwei Tagen der Woche Homeoffice, daher war es gar nicht eine so große Umstellung, alles zu Hause zu machen. Ich war seit Mitte März vielleicht drei oder vier mal im Büro, andere Menschen jedoch häufiger, was aus verschiedenen technischen Gründen auch notwendig ist. Grundsätzlich bin ich eher überrascht, wie gut uns die Umstellung gelungen ist.

Für jene, die nicht jede Woche eine woxx lesen: Der Agendateil mit kulturellen Terminen ist ein großer, integraler und wichtiger Bestandteil unserer Wochenzeitung. Der ist beinahe komplett weggefallen und musste, um die Seitenzahl (an die die luxemburgische Presseförderung gebunden ist) halten zu können, durch andere Inhalte ersetzt werden. Ich habe noch nie so viele kurze Rezensionen zu Podcasts, Serien und Games geschrieben wie 2020. Das Schreiben über Spiele macht mir aber großen Spaß, ich möchte das, wenn sich die Gelegenheit bietet, öfters machen.

Das Drama

Ich kann mich kaum noch an das vor einem Jahr erwähnte Drama 2019 erinnern. Dafür war das Drama 2020 komplett anders, und an vielen Stellen durchaus bedrohlicher als zuvor. Ich hatte mehrmals das Gefühl, spüren zu können, wie dünn die Decke der Zivilisation ist. Ich versuche, konstruktiver und besonnener an alles heranzugehen, aber ich schaffe es nicht immer. Stimmungsmäßig hatte ich die paar emotional schlimmsten Tage meines Lebens kurz vor dem Lockdown – der hat dann aber merkwürdigerweise wieder alles besser gemacht.

Das Reisen

Bis auf meine Erkundungen im Süden Luxemburgs fiel Reisen beinahe gänzlich aus. Ich vermisse es, aber es werden ja auch mal wieder bessere Zeiten kommen.

Die Hoffnung

Letztes Jahr äußerte ich Hoffnung, dass die jugendliche Klimabewegung endlich etwas erreichen würde. Dieses Jahr zeigte zwar, dass Regierungen durchaus bereit sind, schnell und mit strenger Hand zu reagieren, wenn sie es für nötig betrachten – allerdings nicht, wenn es um den Klimaschutz geht. Die Hoffnung für 2021 ist wohl jene auf ein halbwegs normales Leben, was auch immer normal heißen soll. Ich freue mich auf die Impfung und ein Sommerhalbjahr ohne zu viele Sorgen. Besorgt bin ich dennoch um den Zustand der Welt und insbesondere der Umwelt.

Die neuen Vorsätze

Brauche ich so viele neue Vorsätze? Ich versuche mich mal an dem, was realistisch scheint.

  • Drei- bis Viermal die Woche bloggen. Das hat dieses Jahr besser geklappt, als ich es gedacht hätte, und ich bin es jetzt bereits so sehr gewohnt, dass es mir merkwürdig vorkäme, damit aufzuhören.
  • Etwas wie einen Roman schreiben oder veröffentlichen. Das sollte doch irgendwie drin sein.
  • Mehr wandern gehen. Mindestens einmal im Monat wäre, auch außerhalb der schönen Jahreszeiten, wirklich anstrebenswert. Ich hoffe, ich kriege mich motiviert, denn die Entdeckung, wie viel Spaß es mir bereitet, durch den Wald zu streunern, war eins der besten Dinge 2020.
  • Meine Zeit besser einteilen. Gerade durch Homeoffice ist hier vieles durcheinandergeraten. Ich hoffe, dass ich das in den nächsten Monaten besser hinkriege.

Und damit, wie schon letztes Jahr: Ein gutes neues Jahr für uns alle! Fühlt euch gedrückt, wenn ihr das wollt! Danke für alle, die mitlesen.

2 Kommentare “Der 2020-Rückblick

  1. Was ist auf dem Bild ganz an Anfang des Artikels zu sehen? Das sieht interessant aus. Auch weil man nicht erkennen kann, ob das Ding in der Mitte eher im Boden versenkt ist, oder eher eine Art Hochbeet ist.

    So oder so: Schick sieht’s im Süden Luxemburgs aus. Was ist das für eine Jahreszeit?

  2. Das ist ein (leeres) Becken in unserem Innenhof. Die Seitenwand ist etwas höher als der Grund drumherum, der Beckenboden aber tiefer als der Grund. Das ist tatsächlich nicht so leicht zu erkennen, wenn man es nicht weiß. Und dass sich mein T-Shirt-Motiv im Küchenfenster spiegelt, macht es nicht unbedingt einfacher.

    Das zweite Foto wurde im Mai/Juni aufgenommen, und das ist im Naturschutzgebiet hier um die Ecke.

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