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Das schmale Band

Als ich an den Horizont blickte.

Ich möchte diesen Streifen am Horizont beschreiben, an dem der Nebel die Baumkronen verdeckt. Ein schmales Band, nicht Wolke, nicht Wald. Ich stelle mir vor, wie die Krähen dort fliegen und grau werden, ehe sie aus meinem Sichtfeld verschwinden. Der Horizont, ohnehin nie weit, ist noch enger und ich habe das Gefühl, auch bald im Nebel zu versinken.

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Die Abendunterhaltung

Als ich mir nasse Socken wünschte.

Ich sehe mir das Ende der Welt an, als Abendunterhaltung. Immerhin ist es nur fiktiv, immerhin schmilzt nicht wirklich die gesamte Menschheit zu einer orangen Flüssigkeit, immerhin erwarten uns nur Milliarden schmerzhafter Tode auf einem Planeten, den wir zu sehr erhitzt haben. So lange wie wir noch Memes darüber machen können, ist es nicht so schlimm. Am Horizont nur Wolken, aus denen es langsam herausregnet, den ganzen Tag lang.

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Die Wände

Als der Schnee gleich wieder schmolz.

Das Knäuel ist immer noch da. Es wird nicht wirklich besser, aber zumindest ist es nich mehr ganz so überwältigend. Ich versuche, mir Zeit zu nehmen, aber ich bräuchte eine kleine Ewigkeit und noch fünf Minuten. Ich betrachte jede Wand ganz genau, ich baue neue, reiße sie wieder ein und bin mir am Ende nicht sicher, ob ich meinen Gedankenprozess oder ein Computerspiel beschreibe.

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Das Wollknäuel

Als ich nichts entwirren konnte.

Alles zieht sich zu. In meinem Kopf befindet sich ein riesiges Wollknäuel voller Knoten, und ich, auf Miniaturgröße geschrumpft, soll es nun entwirren. Ich weiß nicht einmal, wo ich anfangen soll, und ich komme ja nicht einmal mit meinen eigenen Kabelsalat zurecht. Stimmen beruhigen mich, als bräuchte ich nur zwei, drei, vier Leute, die mir gut zureden, damit ich mich wieder beruhigen kann, die Fäden aufteilen und einen neuen Teppich spinnen kann.

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Die Klagelieder

Als ich den Schnee schmelzen sah.

Es ist noch hell, als ich mit Arbeiten aufhöre. Das ist ungewohnt, ich kann mich nicht genau erinnern, wann das das letzte Mal passiert ist. Die Zeit läuft davon, obwohl ich mich manchmal langweile. Der Himmel hat dieses zarte Rosa, das sich mit dem viel zu hellen, fast weißen Blau mischt. Der Schnee, der kurzzeitig auf den Baumwipfeln lag, ist wieder verschwunden, und ich bedauere es fast.

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Die Ohrenkälte

Als ich eine Haube vermisste.

Ich stehe in der Nacht und es fängt an zu schneien. Ich versuche, den Schneeregen zu fotografieren, aber die Bilder werden wie all die Fotos, die Menschen mit ihren Handys von Schnee machen. Der majestätische Anblick im Restlicht der Umgebung, im orangen Schein der Straßenbeleuchtung, er ist nicht einzufangen. Mir ist so kalt um die Ohren, ich muss darüber nachdenken, wo meine Haube liegt. Ich weiß nicht einmal mehr, welche in meinem Besitz sind. Ich denke an eine Welt voller Matsch, die ich durchschreiten möchte, obwohl mich gerade nichts nach Draußen zieht.

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