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Der Brief

Als ich Post bekam.

Ein Brief kommt, er verrät schon auf dem Umschlag, worum es geht. Außerdem hat das Netz mich schon informiert, was kommen wird. Ich kann es nicht ganz fassen, es ist wie unerwartete Geburtstagsgeschenke an an der Haustür entgegenzunehmen.

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Das Zelt

Als ich verdaute.

Jemand erzählt mit etwas über fiktive Züge und Fabriken, ich höre nur so halb zu, obwohl ich mir das Thema ausgesucht habe. Ich bin so sehr mit Verdauen beschäftigt, ich kann mich auf kaum was anderes konzentrieren.

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Das Birkenwäldchen

Als die Erinnerung in den Kniekehlen brannte.

Mir brennt die Erinnerung an das Birkenwäldchen in den Kniekehlen. Ich verfluche es und gleichzeitig kann ich nicht anders, als es zu genießen. Ich muss an das Grinsen denken, das mir zeitweise nicht aus dem Gesicht gleiten wollte.

Der Saisonstart

Als ich endlich einmal wieder rauskam.

Ich schaffe keinen Rekord, und ich gehe auhc keine neue Runde, sondern einfach nur den Weg, den ich schon so oft gegangen bin, teilweise auch nur als Ausgangspunkt. Es sind so viele Leute unterwegs, so viele unangeleinte Hunde, so viel lautes Gerede. Ich muss trotzdem spätestens nach zwei Dritteln des Weges grinsen. Unter mir, neben mir, über mir Millionen Jahre von Sedimenten, die sich einst in einer flachen Bucht abgesetzt haben und vor einem geologischen Augenblick aus der Erde gegraben wurden.

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Der Drink

Als ich in der Sonne saß.

Ich sitze in der Sonne und trinke einen Drink, der aus einer Fertigmischung und etwas Rum besteht. Auch das Eis habe ich selbst aus dem Tiefkühler geholt. Ich bin sehr stolz auf mich. Wir telefonieren, ich kann mir alles so richtig vorstellen, muss lachen, schwitze in der Sonne, rauche eine Zigarette, höre zu, sage etwas schlaues, lache, nehme noch einen Schluck, schwitze weiter in der Sonne und wundere mich, dass ich auf einmal im Schatten sitze. Es ist nicht das gleiche, nicht einmal annährend, aber es ist zumindest etwas. Vielleicht wird doch noch Sommer.

Der Coversong (2)

Als ich ein Cover hörte.

Der Streamingdienst meines Vertrauens haut mir eine Coverversion eines geliebten Songs in die Playlist und mir haut es kurzzeitig alle Sicherungen aus. Es mag daran liegen, dass ich die Musik über Kopfhörer höre, dass sie sich beinahe in meinem Kopf abspielt, mir so nahe ist. Lieber würde ich den Bass spüren, der von gigantischen Boxen ausgeht, zwischen all dem Schweiß und Atem anderer Menschen. Ich fand das Gefühl eigentlich unangenehm, und einzig die Hauptattraktion verleitete mich dazu, das alles auszuhalten.

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Das Viben

Als ich gerne mit der Taube getauscht hätte.

Die Sonne scheint in der Mittagspause, ich kann meinen Kaffee warm trinken. Der wenige Schlaf hängt mir nach, aber immerhin läuft alles ziemlich glatt oder zumindest nicht ganz so rau. Zwischen den Tulpen spaziert eine Türkentaube, pickt ein wenig auf dem Boden herum, um sich dann mitten auf den Betonweg zu chillen. Sie vibet dort einfach. Als gingen die Sorgen der Welt sie nichts an. Ich wünschte, ich könnte mit ihr tauschen, für fünf Minuten. Aber ich muss meinen Kaffee austrinken und weitermachen.

Das Horror vacui

Als ich etwas auffüllte.

Manchmal braucht der Text halt länger, manchmal dauert es halt bis in die Nacht. Dann bringe ich hier leider nichts mehr rund, nur ein Foto und zwei Sätze, um keine Leere enstehen zu lassen.