Bucket of Bolts – ETHA (3)

Als ich das Schiffspiel weiterspielte.

Hier ist der erste Post in der Reihe, darin wird auch erklärt, worum es hier geht. Kurz: Ich spiele ein Solo-RPG, bei dem es darum geht, die Geschichte eines Raumschiffs zu erfinden und niederzuschreiben. Hier der zweite Teil. Es folgt nun der dritte:

Akt 2: A TIME OF STRIFE

Dritte*r Kapitän*in: Treeni

Nächste*r Kapitän*in der ETHA war Treeni – die erste nicht-menschliche Person, die das Kommando über das Schiff haben sollte. Treeni war ein*e Angehörige*r der Nobagi, die vom Äußeren her – bis auf die blasslila bis dunkelblaue Haut – Menschen glichen. Der größte Unterschied war jedoch, dass die Nobagi, wenn auch durchaus einer Primaten-ähnlichen Spezies entstammend, eine Symbiose mit einem pilzähnlichen Art eingehen, die fest mit ihrem Hirn verwachsen ist. Treeni war hochgewachsen – 2,3 Meter groß und muskulös, seine Haut ein sattes Himmelblau. Er*sie trug stets eine Glatze. An die ETHA kam Treeni eher durch Zufall: Sein eigenes Schiff war ihm zu heiß geworden, und so kam eine Person mit einem ziemlich hohen Kopfgeld auf seinem*ihren Kopf an das ehemalige Schiff eines der bekanntesten Teams von Kopfgeldjäger*innen/Söldner*innen.

Eins der wichtigsten Features, die Treeni gleich zu Beginn in die ETHA einbaute, war eine Vorrichtung, die die Überlichtsignatur des Schiffes so maskierte, dass es nicht eindeutig erkennbar war. So eine Technologie war natürlich nicht unbedingt legal, aber zumindest auch nicht explizit illegalisiert. Wer damit erwischt wurde, konnte zusätzliche legale Probleme oder eine höhere Strafe erhalten – aber wenn Treeni erwischt würde, wäre er*sie ohnehin in ziemlich großen Problemen. Erstaunlicherweise war die Vorrichtung kompatibel mit den DNA-Flugdüsen, die die vorige Crew eingebaut hatte.

Treenis Copilot war ein Mensch namens John Blues, ein ehemaliges Mitglied der bekannten sieben- (nun nur noch sechs-)köpfigen Blues Brothers-Bankräuberbande. Gemeinsam mit seinen Brüdern hatte John die Spürkees, eine eine der wichtigsten Finanzierungsinstitute für Asteroidenbergbau, mehrfach ausgeraubt. Laut den restlichen Blues Brothers wusste John als einziger, wo der Löwenteil der Beute versteckt war – was das exorbitant hohe Kopfgeld erklärt, das auf dem Copiloten Treenis haftete. Der*die Kapitän*in hatte seines durch Industriespionage verdient – ein Job, bei dem eins zwangsläufig einen Moment in seiner Karriere erlebt, in dem eine Belohnung auf das Ende der eigenen Freiheit ausgesetzt ist – meist vom Ziel einer Mission und vom Auftraggeber selbst.

Eines Tage wäre Treeni beinahe während einer Routinekontrolle in einer Bar aufgeflogen. Es war wie so oft: Der*die Barbesitzer*in hatte irgendeine Flasche mit irgendeinem exotischen Getränk, das in dieser Ecke der Galaxis nur unter bestimmten Bedingungen legal war, im Regal stehen und ein*e Zollbeamte*r nahm das zum Anlass, alle Gäst*innen zu kontrollieren und jede Menge Chaos anzustiften. Treeni wußte keinen anderen Ausweg als eine gigantische Szene zu veranstalten und den Pilz in seinem*ihren Kopf jede Menge Sporen ausstoßen zu lassen. Die Aussage, es handele sich dabei um seine*ihre Kinder und er*sie sei hochschwanger gewesen, ließ ihn*sie entkommen – allerdings hatte er*sie damit ein Tabu der Nobagi gebrochen: Über den Fortpflanzungsprozess schwieg die Spezies gegenüber Fremden stets. Auch wenn Treenis Aktion lediglich eine Finte gewesen war: Sie saß ihm*ihr jeden Tag im Nacken.

Eins der zwielichtigen Geschäfte, das Treeni mit der ETHA unternahm, war der Transport eines Jocias, einem sechs Meter langem und drei Meter hohem, Nashorn-ähnlichen Raubtiers, das die meisten und schärfsten Zähne des bekannten Universums besaß. Während die Händlerin, die Treeni den Auftrag aufschwatzte, ihm*ihr versicherte, die Narkose, unter der das Tier gesetzt wurde, würde mindestens einen Monat andauern, so wachte das Biest – anders kann eins es wirklich nicht nennen – im denkbar schlechtesten Moment auf. Die ETHA war gerade im Landeanflug auf eine Ringwelt, die einen recht abgelegenen Stern umkreiste.

Auf dem Ring, der durch seine Drehung eine angenehme Gravitation erzeugte, war ein – vielleicht nicht gänzlich legaler – Zoo eingerichtet worden, der vor allem von reichen Privatpersonen besucht wurde. Der Jocia rammte wiederholt in die Schiffswand, während Treeni versuchte, auf der Ringwelt zu landen. Das Tier schaffte es tatsächlich mit seinem Horn ein Loch in die Wand zu stoßen – und beinahe hätte es das durch das entstandene Vakuum selbst vergrößert. Diesmal war es John Blues, der den Jocia mit einem gezielten Schuss mit einem Gewehr, das Beruhigungsmittel verschoss, wieder zur Ruhe brachte.

Das Loch musste notdürftig geflickt werden, die Hülle der ETHA war ab jetzt an dieser Stelle deutlich weniger stabil. Und die Dellen, die das Tier im Transportraum verursacht hat, waren noch lange Zeit weiter zu sehen. Für Treenie bedeutete diese Nahezu-Begegnung mit dem kalten, unnachgiebigen Vakuum des Alls auch, dass seine*ihre Zeit mit der ETHA zu Ende war. Die Bezahlung des Zoos auf der Ringwelt war genug, um sich ein neues Schiff zu kaufen – und die Ringwelt verfügte auch über eine Niederlassung einer Luxusraumschiffmarke, wo Treeni seinen*ihren neuen Reichtum auch gleich loswerden konnte.

Ein Jahr vergeht, bis das Schiff eine*n neue*n Kapitän*in bekommt. Ein Jahr, in dem der Orden des Kaykid-ons seine kalten Finger über die Galaxis ausstreckte. 27 Systeme eroberte die neue politische Entität innerhalb eines Monats, in dem nächsten halben Jahr sollten insgesamt 203 Systeme unter die Herrschaft des Ordens fallen. Wie lange die Machthaber*innen an der Spitze des Kaykid-ons auf den richtigen Moment gewartet haben, weiß immer noch niemand, aber ihre Machtübernahme muss von langer Hand vorbereitet gewesen sein. Der galaktische Senat wirkte machtlos, die großen Firmen, die teilweise mächtiger als Staaten waren, konnten nichts ausrichten. Wer konnte, verschanzte sich in seine Ecke und versuchte, in Duckstellung zu überleben. Wer ins Visiers des Ordens geriet, hatte wenig andere Wahl als seine Autorität anzuerkennen.

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