Only Lovers Left Alive (2013)

Als ich über einen guten Vampirfilm schrieb.

Filmposter von Only Lovers Left Alive. DIe Hauptdarstellerin Tilda Swinton, eine Frau mitleren Alters, liegt in einer Art Kiomno - schwarz mit viel Goldapplikationen - auf einer Chaise Longe. Ihre blonden haare fallen hinter ihr zu Boden.

Ich habe ein neues Hobby, und es heißt überraschenderweise „Vampirfilme“. Ich versuchte ja, durch Anschauen von Wir sind die Nacht in Stimmung für meine Monsterhearts-Kampagne zu kommen. Das hat eher nicht so gut funktioniert, also habe ich mir noch mehr Vampirfilme (und ähnliches) angeschaut. Da diese Filme alle zu alt sind, um journalistisch etwas damit zu machen, kommt ihr, werte Blog-Leser*innen in den Genuss, meine Gedanken dazu zu lesen.

Zur Handlung gibt es nicht so viel zu sagen, denn eigentlich passiert sehr wenig. Adam (Tom Hiddleston) ist ein sehr musikalischer und noch viel melancholischer Vampir und spielt mit dem Gedanken, sein Untotsein zu beenden. Seine Frau Eve (Tilda Swinton) kommt aus Tanger angeflogen (mit dem Flugzeug, wohlgemerkt!), um ihn zu besuchen und aufzumuntern. Das klappt so lange zumindest halbwegs, bis Eves Schwester Ava (Mia Wasikowska) bei Adam auftaucht und für Chaos sorgt.

Eigentlich spannend, dass ein Film mit so wenig Handlung auskommen kann und es dennoch – oder gerade deswegen – schafft, ein wenig neues Licht auf das Vampirgenre zu werfen. Der Fokus liegt weniger auf den mörderischen Instinkten und den moralischen Fragen, die sich daraus ergeben, sondern vielmehr auf den Möglichkeiten (und Tiefen), die sich aus relativer Unsterblichkeit mit ein paar kleineren Unannehmlichkeiten ergeben. Selbst als Musiker*in berühmt werden: Eher unmöglich, dafür kann eins aber in jeder Generation welche beeinflussen. Während Eve dieses ewige Nichtleben wundervoll findet, hat sich Adam im Laufe der Jahrhunderte zum Kulturpessimisten entwickelt. Das sollte ja eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit sein, immerhin würde eins ja stets eines Besseren belehrt, aber vielleicht ist das auch nur diese Midundead-Crisis, von der immer alle reden.

Mir fehlte die für das Vampirgenre eigentlich typische zumindest-Andeuten von Bisexualität oder sonstiger nicht-heteronormativer Verhaltensweisen. Dieser Aspekt scheint Jim Jarmusch aber überhaupt nicht interessiert zu haben. Warum bitte ewig leben, wenn eins nicht ein weltumspannendes Vampir-Polykül haben kann? Das wird aber auch in den nächsten Reviews so sein, vielleicht sind die bisexuellen Vampir*innen doch nicht so häufig, wie mancherorts behauptet wird.

Spannend finde ich auch, was ich jetzt so alles wiedererkannt habe: An der Schrift am Filmplakat dürften sich nicht nur die Macher*innen von What we do in the Shadows (zumindest auf manchen Postern), sondern auch jene der zweiten Staffel von Russian Doll. Der (gar nicht so flache) Flachmann, aus dem die Vampir*innen Blut trinken, könnte eine Anspielung auf ein ähnliches Gefäß in The Lost Boys sein. Würde mich nicht wundern, denn es gibt so viel Name-Dropping bekannter und unbekannter wichtiger Menschen, der englische Wikipediaartikel hat einen Abschnitt über die Bücher, die Eve mit auf Reisen nimmt und listet penibel alle Instrumente, die Adam besitzt.

Guter Film. Inspiration für Monsterhearts? Not so much. Macht aber nichts.

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