Der Nachtmahr (2015)

Filmposter für DER NACHTMAHR. Eine junge Frau in Hotpants steht mit dem Rücken zu uns, dreht ihren Kopf aber zu der Kamera. Auf ihrem Arm trägt sie den Nachtmahren, der kaum erkennbar ist. Sie ist in einer rosa-lila Neon-Beleuchtung angestrahlt. Im Hintergrund sehen wir die Skyline von Berlin, vor allem den Fernsehturm. Darunter sind die Silhouetten mehrerer Menschen abgebildet.

Tina (Carolyn Genzkow) ist 17 (oder 16, die Quellen sind sich nicht ganz einig darüber) und genießt das Nachtlebens Berlins auf vermutlich illegalen Raves. Nach einem solchen in einem offenen Schwimmbad beginnt sie, ein merkwürdiges Wesen zu sehen und zu hören. Außer ihr sieht niemand diesen Nachtmahr, der ein wenig an einen weißeren, weniger faltigen E.T. erinnert und neben den Nachtmahren der Kunstgeschichte an Embryos mit sogenannten Missbildungen. Letzteres wird im Film auch direkt referenziert. Tinas Leben fällt daraufhin auseinander, weil ihre Eltern ihr nicht glauben, sie in Therapie schicken und sie immer seltener zur Schule kommt. Erst, als andere den Nachtmahren auch sehen, ändert sich das.

Beim ersten Drübernachdenken hatte ich das seltsame Gefühl, dass diesem Film überall nur ein kleines Stück fehlt, um ein wirkliches Meisterwerk zu werden. Die Dialoge teilweise zu flach, der Soundtrack nicht dröhnend genug, das Monster nicht nur Metapher für eine einzige Sache, und das Ende nicht ganz befreiend genug.

Vielleicht ist aber genau dies der Stärke des Films. Der Nachtmahr ist nicht nur Metapher für eine einzige Sache (eine Essstörun, SSV, …), sondern ist einfach eine Abbildung von dem, was es heißt, Teenager zu sein (oder „Erwachsen zu werden“): Eins ist mit einem Ungeheuer konfrontiert, das sonst niemand sieht. Alle guten Ratschläge laufen komplett ins Leere, weil sie nicht einmal ansatzweise erkennen, was überhaupt das Problem ist. Was alles sicherlich auch auf mental illness zutrifft (wobei Therapie da ja tatsächlich zumindest ein guter Ansatz wäre, auch wenn der Therapeut in diesem Film für meinen Geschmack zu viel mit Bleistiften wackelt).

Ist der Film gut so wie er ist, oder hätte er mit mehr Budget wirklich ein Meisterwerk werden können? Auf der Liste der Monsterhearts-ähnlichen Filme (und Vorbereitung bzw. Inspiration für dieses Rollenspiel ist nun einmal die Hauptmotivation dieser meiner aktuellen Odyssee durch die Horrorfilmgeschichte) kommt er auf jeden Fall ziemlich weit oben. Ich hatte irgendwie im Kopf, es sei ein Debutfilm, aber Akiz hat davor schon einige Film gemacht.

Weitere Notizen: Kim Gordon von Sonic Youth spielt übrigens die Englischlehrerin. Die Liebesgeschichte in dem Film (der eher uninteressante Love Interest wird von Wilson Gonzalez Ochsenknecht gespielt) ist sehr wenig entwickelt und hätte wegen mir auch ganz fehlen können und ich hatte das Gefühl, dass durch die Stroboskop-Ästhetik die doch sehr freizügigen Outfits der vielen jungen Frauen nicht so stark den male gaze auf sich ziehen. Das ist bei manchen Versionen des Filmposters dann doch anders, obwohl es auch diese hier gibt.

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