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Die Ohrenkälte

Als ich eine Haube vermisste.

Ich stehe in der Nacht und es fängt an zu schneien. Ich versuche, den Schneeregen zu fotografieren, aber die Bilder werden wie all die Fotos, die Menschen mit ihren Handys von Schnee machen. Der majestätische Anblick im Restlicht der Umgebung, im orangen Schein der Straßenbeleuchtung, er ist nicht einzufangen. Mir ist so kalt um die Ohren, ich muss darüber nachdenken, wo meine Haube liegt. Ich weiß nicht einmal mehr, welche in meinem Besitz sind. Ich denke an eine Welt voller Matsch, die ich durchschreiten möchte, obwohl mich gerade nichts nach Draußen zieht.

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Das Insekt

Als ich mich blendete.

Ein Insekt fliegt durch mein Zimmer, obwohl wir mitten im Winter sind. Ich kann mir nur schwer ausmalen, wie es hierhin gekommen ist, aber irgendwie hat es das geschafft. Ich bin gleichermaßen beeindruckt wie verängstigt. Es zieht seine Kreise nicht besonders elegant, aber was verstehe ich schon von den ungeahnten Gedanken jener Kreaturen, die durch die Lüfte fliegen?

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Der Wetzstein

Als es nicht still war.

Ich lege meinen Kopf an den Wetzstein und versuche, noch fünf Minuten zu schlafen. Der Schlaf kommt nicht, ich drehe mich um, höre einer beruhigenden Stimme zu und versuche, mich an meinen Plan für den Tag zu erinnern. Es gibt keinen, oder ich finde ihn nicht.

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Die Glasszene

Als es trotz Geräuschen still war.

Zwei Vögel schauen skeptisch in die Küche, als ich meinen Kaffee mache. Sie sitzen im Rosenbusch, recht nahe, ich möchte ein Foto machen. Natürlich fliegen sie davon, sobald ich mein Telefon gezückt habe. Es ist so ruhig am Morgen, obwohl es schon spät ist. Ich komme so schlecht aus dem Bett, ich muss immer noch einen Podcast hören und weiterschlummern, bis es gar nicht mehr geht. Die Kaffeemaschine macht Geräusche, die Waschmaschine macht Geräusche, und dennoch fühlt sich alles an, als wäre es eine in Glas gegossene Szene.

Ich sehe, dass da ein Blogeintrag einer Person ist, die nicht so oft bloggt und freue mich sehr. Es fühlt sich an wie damals vor über einer Dekade, als ich meine Blogs in Thunderbird las und mich so oft über neue Beiträge freute. Ich kann nicht zurück in diese Zeit, in der mein Optimismus trotz allem so groß war, und ich möchte es nicht einmal. Ich möchte die Namen großer Städte in weiten Landschaften lesen und mich dorthin denken, in den unaufhörlichen Regen.

Der echte Regen in dem echten Betonhof in dem echten Leben ist viel unangenehmer. Ich kann keinen Schritt zu weit tun, ohne das Gefühl zu haben, von der Gischt angespritzt zu werden, nur weniger poetisch.

Die Tragik

Als es schmolz.

Der Schnee schmilzt langsam weg. Die Unterschiede sind nur von Tag zu Tag zu sehen. Das Weiß schwindet, darunter kommt wieder der graue Beton zum Vorschein. Unter der Dusche hört jemand Radio, sie sagen die Temperaturen der kommenden Tage an, es klingt fast wie Frühling, obwohl es bis dahin noch lange dauern wird. Sie lügen nicht, aber nichts ist mehr so, wie es einmal war, und das fühlt sich an wie eine Lüge.

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Der Geländewagen

Als die Straße so still war.

Ich weiß nicht, warum mir so heiß ist, obwohl es das eigentlich überhaupt nicht ist. Ich falte meine Shorts zusammen und lege sie gemeinsam mit der Hoffnung auf einen Sommer in den Schrank. Dann drehe ich die Heizung runter und lasse etwas Winterkälte in mein Zimmer, um aus diesem Gefühl rauszukommen. Die Straße riecht nach Hausbrand, trotz der Ausgangssperre schleicht sich ein Auto einsam durch sie durch. Es dauert einige Minuten, bis das nächste zu hören ist. Ich könnte mich an die Stille gewöhnen.

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weekend reading 93

Als ich viele Links hatte.

Diese Woche gibt‘s viele Links. Da ich mir die Tabs oft aufheb und im Zweifelsfall Freitags les, es jetzt aber schon spät wird, kann es sein, dass ich ein paar Sachen einfach so poste, ohne sie ganz gelesen zu haben. Ganz geschrieben habe ich über Verschwörungsmythen unter dem Titel Von roten Löwen und Schafen. Und diese Woche spreche ich Sexpodcast über die Dauer vum Sex, auf Luxemburgisch.

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