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Der Fahrstuhl

Als ich mir selbst Mut machte.

Die Woche wirkt unglaublich anstrengend. Und dann überlege ich mir, was dieses Gefühl eigentlich in mir auslöst, denn wenn ich darüber nachdenke, sind es nur einige Kleinigkeiten und die übliche Angst vor einem großen Text, die meistens ohnehin spätestens dann verfliegt, wenn ich über die Hälfte der Zeichen bin. Ich sollte also optimistisch sein, ich sollte mir den Stein, den ich den Berg hochrolle, als glückliches Fossil vorstellen, ich sollte mutig sein (für mich selbst).

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Der Schoß

Als ich (wieder einmal? Schon wieder? Noch immer?) müde war.

„Du weißt das doch eigentlich.“
Die Stimme klingt tadelnd. Als hätte ich mich über eine Regel hinweggesetzt. Dabei stimmt das nicht, ich habe mich lediglich nicht so sehr ausgeruht, wie ich es hätte können. Aber es ist nicht so, als ob ich mich überanstrengt hätte – es hat nur merkwürdig an meinen Kräften gezerrt, ohne dass ich es bemerkt habe.

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Die Tragödie

Als ich im Supermarkt fast weinte.

Immerhin kann ich gut prokrastinieren. Ein erfundenes Verb für einen erfundenen Menschen mit ausgedachtem Talent. Ich sehe im Supermarkt Produkte mit einer ähnlichen Verpackung wie jene, die ich jahrelang gewohnt war und möchte beinahe weinen.

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Der Bushalteschlaf

Als ich viel zu müde war.

Ich bin den ganzen Tag über müde. Mir kommt vor, als habe ich diesen Satz schon viel zu oft geschrieben. Beim Heimfahren erwischt es mich so heftig, dass ich am Bushäuschen am liebsten hinlegen würde, zumindest bis der Bus kommt. Das ist natürlich nicht möglich und wäre vermutlich auch eine schlechte Idee, aber ich träume trotzdem davon, wie eine Katze in der Sonne zu liegen, mit glückselig geschlossenen Augen.

Die Matebrauerei

Als ich keine Pommes hatte.

Ich könnte mich an dieses Leben gewöhnen, an die langen Treffen nach der Arbeit, die einfach noch viel mehr Arbeit bedeuten, an die Girlanden, die nicht mehr über uns hängen, an das Bier danach und die Pommes, denen ich nachtrauere, weil auch ich nicht jeden zweiten Tag Pommes essen kann.

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Das Zusammenbrauen

Als ich Kaffee in der Sonne trank

Die Hitze wirkt trügerisch, und trotzdem ist es mir in der Jogginghose zu heiß, als ich im Garten auf dem Beckenrand des leeren Bassins sitze und Kaffee trinke. Ich versuche, es dennoch mit jeder Faser zu genießen, denn wer weiß schon, wie lange es hält? Irgendwo im Hintergrund braut sich schon die nächste Minikatastrophe zusammen und über all dem schwebt unsichtbar wie ein Spurengas Drama, das mich unrund macht.

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Das Laugengebäck

Als ich den Horizont nicht sehen konnte.

Auf dem Bahnsteig steht eine Reklametafel, die zwischen einer Anzeige für ein SUV und einen Burger, der zwischen zwei Laugenbrötchenhälften serviert wird, wechselt. Ich vermisse Laugengebäck, einst ein ständiger Begleiter in meinem Leben, jetzt quasi verschwunden.

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Der Jogginghosentag

Als die ersten Blätter gelb wurden.

Und dann merke ich, dass es vorbei ist. Nicht irgendeine Jahreszeit oder sonst ein gesellschaftliches Konstrukt, das diktitiert, dass ich dem Vergehen von Zeit Bedeutung zumesse – das Gefühl, das meine Hand kribbeln ließ, das ich nicht einordnen konnte, über das ich nicht sprach, weil ich befürchtete, mein Verdacht könnte sich bestätigen.

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