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Der Aufgabenturm

Als es sich in meinem Kopf stapelte.

Ich erlebe ein Abenteuer, aber mir wäre lieber, es wäre keins. Im Endeffekt stellt sich heraus, dass es überhaupt nicht so nötig gewesen wäre, wie es auf den ersten Blick schien. Aber wenn du dickes Briefpapier benutzt, kann so gut wie jede Angelegenheit wichtig wirken. Ich würde gerne auf die Landschaft starren, die an mir vorbeizieht, aber auf meinem Telefon passieren so viele spannende Dinge, dass ich das doch nicht schaffe. Meine Aufgaben türmen sich hoch, stapeln sich in meinem Kopf und das macht mich so unruhig, dass ich den Abend damit verbringe, eins dieser Dinge auf meiner To-Do-Liste abzuarbeiten, als bräuchte ich keine Entspannung.

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Der aufgeheizte Asphalt

Als ich einen bestimmten Song hörte.

Ich höre das Lied, das ich damals gehört habe, als ich zum ersten Mal aus G. nach Hause gefahren bin und mir bereits ausgemalt habe, dass das, was gerade erst begonnen hatte, irgendwann zu Ende sein würde. Der Bus war noch nicht aus der Stadt und ich bereits melancholisch über eine Zeit, die eben erst begonnen hatte. Das ganze Album hörte ich auf der Rückfahrt, euphorisiert. Es wurde über die Zeit zu dem Soundtrack dieses Jahres, zum Soundtrack dieser schlechten Beziehungen, von denen ich von Anfang an hätte wissen können – oder wusste ich es gar?

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Die Sonntagsnachmittagsmelancholie

Als ich am Beckenrand saß.

Ich setze mich auf den Beckenrand, schaue das Abendlicht an, das auf den Rosenbusch scheint und frage mich, wie oft ich noch von der Melancholie der Sonntagnachmittage schreiben kann, an denen die erdrückende Länge der nächsten Woche so stark wirkt, dass ich an sonst nichts mehr denken kann. Das ist neu, scheint mir. Ich hatte dieses Gefühl, keine Lust auf die kommende Woche zu haben schon als Kind, aber die Schwere und Heftigkeit kommt mir neu vor. Vielleicht war ich letztes Wochenende auch lediglich zu müde dafür und empfinde es deswegen heute als umso heftiger.

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Das Wechselspiel

Als ich über die Interaktion zwischen Mensch und Natur nachdenken musste.

Eine weitere Wanderung. Diesmal, nach 11,5 Kilometern, traue ich mich, das so zu nennen. Ich bin recht schnell unterwegs, vor allem am Anfang, obwohl ich öfters auf mein Telefon schaue, um den richtigen Weg zu finden. Nun, nachdem ich drei Touren durch dieses Waldgebiet hinter mir habe, würde ich mir fast zutrauen, ohne jedes Hilfsmittel zu gehen. Aber die Idee, sich eine Aufzeichnung einer Tour, die irgendwer vor mir gemacht hat, auf das Telefon zu laden, war gar nicht so schlecht. Ich liebe das ehemalige Tagebaugebiet, das die Natur langsam zurückerobert, in dem manche Flächen als Trockenrasen gehalten werden, in anderen die Birkenwäldchen langsam die natürliche Sukzession anführen.

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weekend reading 59

Als ich müde Links zusammensuchte.

Ich bin heute 11,5 Kilometer gewandert, was dann doch nicht so wenig ist, wenn eins das wie ich beinahe nie macht. Kann also sein, dass ich gerade ein wenig müde bin und nicht so viele Links zusammenkrieg, wie ich eigentlich wollen würde. Ich habe diese Woche das Editorial über den Systemwechsel, der nach der Krise endlich kommen müsste, geschrieben. Außerdem etwas über Schottergärten.

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Die Knolle

Als ich ins Feuer starrte

Ich starre in die Glut, die von dem kleinen Feuer, das wir gemacht haben, noch übriggeblieben ist. Hypnotisch wirkt das Auf- und Abglimmen, wie eine elaborierte Lichtinstallation. Ich frage mich, ob ein Teil dieser Faszination für offenes Feuer einfach in unser menschliches Hirn verdrahtet ist – ein Instinkt, den wir uns vor einer Million bis 200.000 Jahren angeeignet haben. Mir sind die Theorien egal, ich genieße es einfach nur, die Glut anzuschauen und zu merken, wie die Kopfschmerzen, die mich den Tag über begleiteten, langsam verschwinden.

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Das Freizeichen

Als ich mich machtlos fühlte.

Ich merke mal wieder viel zu spät, dass mich jemand angerufen hat. Ich rufe zurück, denn so mutig bin ich mittlerweile und erfasse erst dann, dass es eine bekannte Nummer ist. Mit dem Telefon am Ohr gehe ich in den Garten, über die Betonfläche, öffne das Tor, gehe wirklich in den Garten, zünde mir eine Zigarette an, höre dem Freizeichen zu, werde mit jedem Piepsen und Tuten unsicherer, ob ich noch ein Gespräch haben werde, bis ich es aufgebe. In den Nachbargärten ist niemand, die Sonne steht schon tief. Mein Essen steht schon im Ofen, ich freue mich drauf, auch wenn wieder einmal die Hälfte schief gegangen ist, weil ich im Supermarkt daneben gegriffen habe.

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Der Ortswechseltrick

Als es mir schwerfiel.

Jeden Tag nehme ich mir vor, bald mit dem Schreiben zu beginnen, und jeden Tag kommt mir etwas dazwischen, was ich genauso einfach ignorieren könnte. Ich tröste mich damit, dass das zum kreativen Prozess gehört und ich nun einmal etwas Zeit brauche, bis ich meine Gedanken geordnet habe.

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Die „neue Normalität“

Als ich wieder ein Abenteuer erlebte.

Am Ende des Tages wartet wieder ein Abenteuer, das sich diesmal gar nicht mehr so abenteuerlich anfühlt. Es ist fast so wie immer, nur dass alle Masken tragen. Mir sind es zu viele Leute, so dass ich zwischen zwei Regalmetern schon wieder vergesse, was ich eigentlich suchte. So kaufe ich noch mehr Risottoreis, obwohl ich eigentlich genug davon habe – und was ich vergessen habe, werde ich erst in den nächsten Tagen herausfinden. Das ist wohl diese „neue Normalität“, von der ständig alle reden, und an die ich mich gewöhnen muss: Ich kann immer noch nicht richtig einkaufen, andere Menschen gehen mir auf die Nerven, ich gebe zu viel Geld aus und manchmal läuft meine Brille an.

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Die Waldsamkeit

Als ich im Wald war.

Ich stehe an der Klippe und schaue auf den Querschnitt mehrere geologischer Schichten, aufgetürmt über Millionen von Jahren, ein paar Meter weiter sitzen drei Menschen auf einer Bank und unterhalten sich über Biersorten. Ich habe das leichte Gefühl, von meinem Weg abgekommen zu sein, aber ich habe schon davor gehört, dass er an manchen Stellen nicht sonderlich gut ausgeschildert sei und mache mir nicht zu viele Gedanken. Immerhin habe ich mein Telefon dabei, auf dem eine Karte ist, großartig verlaufen kann ich mich ohnehin nicht.

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