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Die Maßnahmen

Als alles voller Nebel war.

Der Nebel kommt näher, die Welt hat nur noch einen Radius von 500 Metern. Viel weiter muss ich ohnehin nicht gehen, denn es werden wieder einmal Maßnahmen verkündet. Ich habe mir schon vorgestellt, wie das wohl wäre, wenn alles irgendwie zu Ende gehen würde. Ob es überhaupt eine Möglichkeit gäbe, ohne all den zivilisatorischen Fluff, mit dem wir uns umgehen, zu überleben. Höchstens bis die Brille bricht oder die Augen zu schwach werden. Das ist die deprimierende Antwort, und vermutlich ist der hypothetische Zeitraum für mich länger als für viele andere.

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Der Kompostkübel (2)

Als ich das Elsternlied hörte.

Ich gehe mit dem Kompostkübel zum Kompost. Ich habe meine Kapuze auf dem Kopf, eine glühende Zigarette im Mund und schalte das Elsternlied ein. Ich komme mir sehr mystisch dabei vor, obwohl ich für Außenstehende mit der Jogginghose, dem Totoro-Pulli und den ausgetretenen Schuhen gar nicht so aussehe, wie ich mich gerade fühle. Ein festgehaltener Ton schwebt in der Luft, während über den Vogel gesungen wird, den ich ebenso bewundere. Irgendwo über dem Komposthaufen fliegt er vielleicht, neugierig. Der Gedanke, nicht von einem unsichtbaren Auge, sondern von einem Vogel in der Nacht beobachtet zu werden: Beruhigend.

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Die Aufklärung

Als ich nicht fotografiert wurde.

Hoch über mir im Orbit des Planeten nimmt ein Aufklärungssatellit ein Foto auf. Ich bin darauf nicht zu erkennen, denn die Auflösung ist nicht groß genug und die Sonne scheint nicht, so dass keine Schatten zu sehen sein werden. Ich bin für das Auge über mir unsichtbar, solange ich mich nicht zu breit mache. Ein beruhigender Gedanke in einer beunruhigenden Welt. Ich muss an die Perlenkette denken, die sich irgendwann im Frühling über den Himmel zog, und die ich ungläubig anstarrte.

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Das Misstrauen

Als geflickt wurde.

Dinge werden zusammengeflickt und ich fühle mich etwas besser. Ich traue der zerbrechlichen Stimmung nicht ganz, gehe wie auf Eiern, was bei den alten knarzenden Treppenstufen ohnehin gar keine so schlechte Idee ist. Alle Vorsätze, die ich mir für den Monat nehmen wollte, sind zerstört worden, die Wunden noch frisch. Der blaue Fleck an meinem Unterarm ist größer geworden, und sichtbarer. Unter dem Blau schimmert es gelb, vielleicht werde ich auch noch andere Farben bewundern können. Auch dem Klappstuhl traue ich noch nicht.

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Das Stiegenhaus

Als ich Treppen stieg.

Es ist immer noch schwierig, aber immerhin gibt es so etwas wie einen Lichtblick. Das Treppenhaus ist so dunkel. Ich hadere, mit jedem Gespräch in eine andere Richtung. Alles ist schwierig, aber mir bleibt nichts anderes übrig, als einen Schritt nach dem anderen zu tun, bis ich am Ende der Treppe bin. Irgendwo ist immer Licht.

Der Unruhezustand

Als ich nichts schreiben konnte.

Manchmal passiert so viel und alles ist so verworren und überfordernd, dass ich nicht anders kann, als alles auf mich niederprasseln zu lassen und später zu sortieren. Immerhin hab ich ein gutes Gespräch, das mich etwas rauszieht.

weekend reading 84

Als ich an einem Freitagabend Links postete, wie eigentlich jeden Freitagabend.

Ich habe diese Woche über den Vorschlag des EU-Minister*innenrates, eine Sicherheitslücke für Geheimdienste in verschlüsselte Messenger einzubauen, geschrieben und mich etwas aufgeregt. Außerdem habe ich die luxemburgischen Aktionspläne gegen Lärm und für bessere Luftqualität unter die Lupe genommen und mich auch hier etwas aufgeregt.

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