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Der Kater

Als es früh dunkel wurde.

Es wird früh dunkel, dann regnet es. Mir gefällt das nicht, aber ich kann es auch nicht ändern. Ich kann mich immerhin über den Tee freuen, und über meine Arbeit, die erstaunlicherweise doch irgendwie vonstatten geht.

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Der Prophet

Als ich mich im Spiegel betrachtete.

Ich fühle mich so cool, so unglaublich cool, obwohl ich das natürlich überhaupt nicht bin. Die blondierten Haare, der Sidecut, die Jacke, Sneaker, es passt schon alles in einer Weise zusammen, die zumindest den Eindruck erweckt, gewollt zu sein. Ich mache ein Selfie im Lift und freue mich.

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Die Umarmung

Als ich Blüten sah.

Ich stehe im Garten, der Boden ist noch regennass. Es ist gutes Wetter, warum sogar, und ich bin überrascht, wie viel um mich herum noch blüht. Die Rosen haben ihre fleischigen Früchte gebildet, der Quittenbaum hat immer noch Früchte, aber dazwischen blühen immer noch Pflanzen, als wäre es nicht schon Ende Oktober.

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Das Glasdach

Als ich im Regen stand.

Ich stehe unter dem Glasdach der Bushaltestelle, auf dem Blätter liegen. Es regnet, und obwohl Menschen um mich herum auf den Bus warten, fühle ich mich alleine. Das Glasdach und der Starkregen geben mir den Eindruck, in einem kleinen, geschlossenen Raum zu stehen.

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Die Scherben

Als ich Porzellan zerschlug.

Ich stehe in der Küche und bin wütend. So wütend, ich muss Porzellan nehmen und es auf den Boden schmeißen und dabei laut schreien (Im Hintergrund spielt „Sweet Dreams“ der Eurythmics). Zuerst das, was zum Abtrocknen auf dem Gestell steht. Dann reiße ich den Schrank auf, nicht ohne zuerst sehr undramatisch lang an dem Schlüssel gefummelt zu haben, der die Glastür versperrt. Jedes einzelne Teil werfe ich auf den Boden und schreie dabei, dass es mir im Hals schmerzt. Ich bin so rasend, ich denke nicht einmal mehr an die Ökobilanz meiner Zerstörungswut. Es interessiert mich nicht, dass all das Porzellan so energieintensiv hergestellt wurde. Ich will das Geräusch hören, wie es auseinanderbricht, wie die Gläser in zehntausend kleine Stücke zerbersten.

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Der Nichtregentag

Als ich mich vor der Dunkelheit fürchtete.

Es ist kein Regentag, aber er wirkt so. Kühl und grau. Zwischendurch scheint die Sonne, aber ich bekomme davon nichts mit. Alles was ich merke, ist dass ich einen Pullover trage. Der Rest des Jahres wird sich ziehen wie Kaugummi, denn jetzt wirkt er zusammengepresst, glänzend und in eine dünne Aluverpackung eingepackt.

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