_

Die Regenfahrt

Als ich im Auto saß.

Im Auto wirkt alles so anders. Wenn nicht gerade ein Stau ist, ist das Land so klein, dass eins in zwanzig Minuten beinahe überall ist – wenn dieses überall eine Autobahnabfahrt hat. Der Regen hat alles verwandelt, das Grün am Straßenrand ist nur noch Dekoration, der Himmel eine große graue Wand, vor mir das scheinbar endlose grauweiße Band. Alles fühlt sich so schwer an, erschöpfend. Dabei ist gerade mal September.

Weiterlesen

Das Äquinoktium (verspätet)

Als der Sommer zu Ende war.

„Das war er also, der letzte Tag des Sommers.“, sage ich und schaue in den Regen. Es hat angefangen. Das Datum ist sehr passend, ab jetzt kriecht die Dunkelheit nicht mehr langsam heran. Ich sehe mein Gegenüber, die Person die wir einst Ruth nannten, nicht an, während ich spreche. Was vor allem daran liegt, dass wir nebeneinander sitzen und in diesen Regen starren, der so ungewohnt wirkt.

Weiterlesen

Der Morgenkaffee

Als ich nicht unter den Wimpeln saß.

Beim Morgenkaffee versuche ich nicht daran zu denken, dass dies der letzte schöne Tag des Jahres ist, versuche nicht in Melancholie zu verfallen und konzentriere mich auf meinen Kaffee und den Sonnenschein und das Interview, das ich über meine schlechten Handylautsprecher höre.

Weiterlesen

Die Latte

Als ich in mir zusammen fiel.

Der Tag fühlt sich am Ende an wie ein Springschloss, das sich auf mir aufgeblasen hat. Es liegt schwer auf mir und irgendwer hopst darin herum. Irgendwer anderes kümmert sich darum, dass ich Essen bekomme, eine Stimme redet fast eine Stunde mit mir und am Ende falle ich in mich zusammen. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass schon bald wieder Wochenende ist und ich dann sicherlich einmal eine Stunde länger schlafen kann. Die Latte liegt tief, aber wir sind auch in einer globalen Pandemie.

Die Gespräche

Als ich Teilnehmer an Gesprächen war.

Ich sitze alleine in der Küche und esse meine aufgewärmte Suppe, auf die ich mich schon den ganzen Tag freute. Es sind Menschen in der Küche, sie reden miteinander, nebeneinander, aneinander vorbei. Es ist nicht mein Gespräch, ich esse nur meine Suppe. Ist es schärfer geworden?

Weiterlesen