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Die Zucchiniblüten

Als ich zwischen zwei Sonntagen saß.

Der Tag fühlt sich so seltsam an, zwischen zwei Sonntage gequetscht. Irgendwie unangenehm, aber auch nicht so schlimm, als dass ich mich großartig dagegen wehren könnte. Ich versuche, den Überblick über Tabellen zu halten, deren Kontrolle ich längst verloren habe. Es macht nichts, am Ende kommt eine Zahl heraus, die durch Vier teilbar ist, und das ist in dem Moment alles, was zählt. Wir sitzen im Innenhof und trinken schnell einen Kaffee und reden über diese Unbekannte, die sich Zukunft nennt und wie eine messerscharfe Klippe am Ende der Gegenwart hängt, bevor es wieder an die Arbeit geht und ich wieder Dinge in Tabellen eintrage.

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Die Ruine

Als ich von einem Fuchs träumte

Ich laufe durch den Wald, diesmal im Traum. Und mit „laufen“ meine ich natürlich gehen, weil ich mir das wohl irgendwo abgeschaut habe und jetzt nicht mehr sprachlich zwischen diesen beiden Fortbewegungsarten unterscheiden kann. Ich gehe also zügig durch den Wald, die Lichtstimmung ist wundervoll, das goldene Abendlicht schimmert durch die Blätter und alles hat diese Farbe, die ich nicht beschreiben kann, in der ich jedoch am Liebsten baden würde. Es fühlt sich an wie die Stelle, an der ich bei der letzten Wanderung zwei schwarze Hunde getroffen habe, die mich furchtbar erschreckt haben.

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weekend reading 63

Als ich müde Links zusammenklaubte.

Ich habe diese Woche einen langen Artikel über den neuen Mobilfunkstandard 5G geschrieben, in dem ich versucht habe, mit den meisten Mythen und Verschwörungs“theorien“ drumherum aufzuräumen und das ganze Projekt ein wenig einzuordnen. Ich bin halbwegs zufrieden, aber wie immer, wenn ich so lange Texte schreibe, habe ich das Gefühl, sie sollten eigentlich doppelt so lang sein.

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Das Garden-Office

Als ich das Pizzaöl vergaß.

Ich will Garden-Office machen, bis ich feststelle, dass ich eine Aufnahme machen muss und dafür ein gutes Mikrofon und wenn möglich eine ruhige Umgebung brauche. Das verhindert zum Glück auch das Problem, dass ich eine Leitung ziehen müsste, von der Küche in die Gartenlaube, was ginge, weil wir eine lange Verlängerung haben, aber ich möchte es nicht, weil es umständlich ist. So trage ich meinen Computer wieder an seinen angestammten Platz an meinem Schreibtisch und mache dort weiter.

Ich esse viel zu gehetzt Mittag, und Abends bin ich von all den Videokonferenzen und dem Nachdenken so müde, dass ich mir nicht einmal mehr die Reste vom Mittag wärmen möchte, sondern mir eine Tiefkühlpizza in den Ofen schiebe, die eigentlich für Notfälle gedacht war. Vielleicht ist heute so ein Notfall, vielleicht möchte ich auch einfach nur eine Tiefkühlpizza, die eigentlich gar nicht so gut ist, aber sie ist halt irgendwie Pizza. Drei Stunden später ärgere ich mich darüber, kein scharfes Öl drübergeschüttet zu haben, das hätte alles besser gemacht.

Der Duschkanal

Als ich meine Kleidung vergaß.

Ich dusche – im Traum – lange und heiß, wie ich es sonst nur am Wochenende tue. Als ich mich abtrockne, bemerke ich, dass ich keine neue Kleidung mitgenommen habe. Ich könnte mit dem Handtuch um meinen Körper geschlungen ein Stockwerk zu meinem Schlafzimmer gehen, aber mir wäre es unendlich peinlich, wenn mich jemand dabei sehen würde. Aus dem Regal, das in dem engen Badezimmer steht, ziehe ich einen weißen Ganzkörperanzug, wie ihn Menschen auf Demos tragen. Oder zum Ausmalen ihrer neuen Wohnungen. Vorsichtig verschließe ich den Reißverschluss und passe dabei auf, meine Genitalien nicht einzuquetschen.

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Die Bernsteinfüllung

Als ich einen Keks aß.

Ich fühle mich wie in noch nicht vollständig zu Bernstein gewordenem Harz eingeschlossen. Jede Bewegung fühlt sich langsam an, ich brauche Zeit für jeden Gedanken. Es ist nicht schlimm, ich habe Zeit, aber es nervt mich selbst. Ich essen einen Keks, weil ich denke, es würde dann besser gehen, ich könnte damit schneller schreiben, aber ich belüge mich nur selbst; am Ende habe ich nur einen Keks gegessen. Mit einem Keks in der Hand kann man nicht schneller tippen, im Gegenteil.

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Die Strengung

Als ich alles anstrengend fand.

Der Tag ist so anstrengend, ich muss ständig Leute sehen und Dinge sagen, wenn gerade eine Pause ist und sich x Augenpaare auf mich richten, obwohl ich sie auch einfach hinter einem Browserfenster verstecken könnte. Ich trinke genügend Kaffee, aber es hilft trotzdem nichts: Ich bin weiterhin müde. Als all diese Videokonferenzen vorbei sind, flüchte ich kurz in den Garten, um dort auch keine Ruhe zu finden. Ich wünsche mich auf eine einsame Insel, auf der es ruhig ist, ich wünsche mir einfach nur Ruhe, die ich nicht finden kann, weil immer irgendwo irgendwer Akkordeon spielt oder laut telefoniert oder gerade ein Vogel nervig singt.

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Der Haltewunschknopf

Als ich mal wieder einen Traum erfand

Im Traum sitze ich in einer U-Bahn, aber ich kann nicht genau erkennen, in welcher Stadt ich unterwegs bin. Es ist nicht München, das Interieur ist modern und nicht holzvertäfelt. Natürlich isst niemand, so dass mir das auch kein Anhaltspunkt sein kann, denn alle tragen Gasmasken. Ich frage mich, warum das jetzt die neue Mode ist, oder ob ich wieder eine der vielen Änderungen der Maßnahmen verpasst hätte. Unter meiner Stoffmaske fühle ich mich merkwürdig nackt. Immerhin hat mich bis jetzt noch niemand nach einem Ticket behelligt, denke ich und beginne im nächsten Moment in kalten Schweiß auszubrechen, weil ich nicht weiß, ob ich ein Ticket habe und wenn ja, wo es wäre.

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