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Der Exorzismus

Als ich über den Frontverlauf sinnierte.

Der Tag ist länger als erwartet, ich komme erst in der Dunkelheit zu Hause an, immerhin mit gefüllten Einkaufssackerln. Ich muss langsamer gehen, als ich es eigentlich wollen würde, weil vor mit eine Familie mit Halloweenkindern geht, die langsam mit ihren leuchtenden Armbinden die Straße entlangschlendert, auf der Suche nach Türen, an denen sie klingeln kann.

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Das Himmelreich

Als ich mich aufregte.

Ich bin so wütend, als ich das Büro verlasse, dass ich meine Zigarette schon auf dem halben Weg zum Bahnhof aufgeraucht habe, weil ich sie so wütend rauche. Vielleicht stimmt das nicht ganz, vielleicht werfe ich sie kurz vor dem Laden weg, in dem ich mir neue kaufe. In der Schlange muss ich warten und es ist das erste Mal, dass ich mich ganz kurz beruhige. Immerhin kann ich nicht die Verkaufsperson anschreien, nur weil ich wütend bin. Ich sollte freundlich sein oder zumindest verwirrt und viel zu aufregt, so wie ich es meistens bin, weil mich solche Situationen auch nach Jahrzehnten immer noch nervös machen.

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Die Geisterzeit

Als es dunkel wurde.

Es ist auf einmal kalt geworden. Die Dunkelheit wirkt weniger schlimm, weil wir ihr mit einem Trick ein letztes Schnippchen geschlagen haben, aber lange wird auch das nicht dauern. Ich mag es nicht, es macht alles schwieriger, unangenehmer. Nirgendwo hängen mehr bunte Wimpel, stattdessen versuchen die Menschen mit Lichtern vor ihren Häusern, böse Geister abzuwehren.

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Das Basteln

Als ich hantiere.

Seit einer gefühlten Ewigkeit hantiere ich wieder mit Schere und Klebstoff herum. Ich weiß nicht einmal mehr genau, wo ich den Klebestift her habe, der seit gefühlten Ewigkeiten in dem durchsichtigen Plastikquader sitzt und den ich fast nicht gefunden hätte, als ich mich aktiv auf die Suche machte. Es hat etwas meditatives, dieses „Basteln“, auch wenn die Schere nicht groß genug und der Kleber zu wenig ist.

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Die Extrastunde

Als ich den Boden wischte.

Ich führe ein Rückzugsgefecht in der Küche. Eigentlich ist es schon eine beinahe meditative Tätigkeit, wenn sie nicht dann doch zu anstrengend wäre. Ich frage mich, wie viele Rückzugsgefechte ich in meinem Leben führe. Ob ich ständig nur versuche, irgendwie mit heiler Haut davonzukommen, gegen die to-do-Listen, gegen die Trello-Karten, gegen die sich ständig anhäufenden Termine? Oder presche ich nach vorne, bringe neue Ideen ein, setze sie um? Ich kann mich nicht nicht entscheiden, was davon wahr sein soll.

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Die Wunscherfüllung

Als ich rein gar nichts tat.

Ich mache den ganzen Tag lang überhaupt nichts, und ich fühle mich sehr wohl dabei. Durch die Strapazen der letzten Woche habe ich mir das sehr verdient. Zumindest kann ich mir das einreden, während ich ein Spiel zocke, das nur Mechanik und keine Story hat. Natürlich fühlt sich der Tag am Ende verloren an, vergeudet geradezu. Aber ich saß auch im Garten in der Sonne, habe Tee getrunken (immer eine gute Idee!) und irgendwann habe ich auch ein Brot gegessen. Die Belanglosigkeit eines Samstags – sich selbst Wünsche zu erfüllen kann manchmal so einfach sein.

weekend reading 37

Links, Freitags, ihr kennt das.

Ich habe diese Woche in der woxx über Gamer*innen geschrieben, die in ihrer Szene radikalisiert werden bzw. sich rechtsextremes Gedankengut aneignen. Der Artikel ist zwar heute im Print erschienen, aber noch nicht online. Der Podcast, in dem auf Luxemburgisch was dazu erzähle, ist aber bereits online zu hören. Ansonsten kann ich euch das Editorial meiner Kollegin zum Umgang mit Rassismus in Luxemburg ans Herz legen.

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Die Bernsteinfärbung

Als ich mir Sorgen ob meiner Augenringe machte.

Die Luft fühlt sich eng an. Am Morgen lag dichter Nebel über dem Land. Oder zumindest über der Strecke, die ich mit dem Zug nahm. Ich mag den Anblick, ich fühle mich dann manchmal, als könnte ich unter eine dichte Decke schlüpfen. Aber ich habe auch das Gefühl, nicht so frei atmen zu können wie sonst.

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Die Walzerei

Als ich zu lange aufblieb.

Es ist fast unerträglich, wie rar die Abendstunden geworden sind. Ich versuche, sie auszudrücken wie eine Tube mit Zahnpasta oder Tomatenmark, übe Drück aus, plätte sie, walze sie so breit es geht, um den letzten Rest herauszupressen. Es endet, wie es enden muss: Ich bleibe viel zu lang wach.

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