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Das Misstrauen

Als geflickt wurde.

Dinge werden zusammengeflickt und ich fühle mich etwas besser. Ich traue der zerbrechlichen Stimmung nicht ganz, gehe wie auf Eiern, was bei den alten knarzenden Treppenstufen ohnehin gar keine so schlechte Idee ist. Alle Vorsätze, die ich mir für den Monat nehmen wollte, sind zerstört worden, die Wunden noch frisch. Der blaue Fleck an meinem Unterarm ist größer geworden, und sichtbarer. Unter dem Blau schimmert es gelb, vielleicht werde ich auch noch andere Farben bewundern können. Auch dem Klappstuhl traue ich noch nicht.

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Das Stiegenhaus

Als ich Treppen stieg.

Es ist immer noch schwierig, aber immerhin gibt es so etwas wie einen Lichtblick. Das Treppenhaus ist so dunkel. Ich hadere, mit jedem Gespräch in eine andere Richtung. Alles ist schwierig, aber mir bleibt nichts anderes übrig, als einen Schritt nach dem anderen zu tun, bis ich am Ende der Treppe bin. Irgendwo ist immer Licht.

Der Unruhezustand

Als ich nichts schreiben konnte.

Manchmal passiert so viel und alles ist so verworren und überfordernd, dass ich nicht anders kann, als alles auf mich niederprasseln zu lassen und später zu sortieren. Immerhin hab ich ein gutes Gespräch, das mich etwas rauszieht.

weekend reading 84

Als ich an einem Freitagabend Links postete, wie eigentlich jeden Freitagabend.

Ich habe diese Woche über den Vorschlag des EU-Minister*innenrates, eine Sicherheitslücke für Geheimdienste in verschlüsselte Messenger einzubauen, geschrieben und mich etwas aufgeregt. Außerdem habe ich die luxemburgischen Aktionspläne gegen Lärm und für bessere Luftqualität unter die Lupe genommen und mich auch hier etwas aufgeregt.

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Die Nebelsuppe

Als ich etwas auslöffeln musste.

Ich finde alles unglaublich anstrengend und zäh. Der Nebel vor meinem Fenster geht den ganzen Tag nicht wirklich weg. Ich sehe mich selbst im Betonhof sitzen und rauchen und der Rauch geht in den Nebel über, als wäre ich es, der die hohe Luftfeuchtigkeit in Bodennähe verursachen würde. Ich kann aber überhaupt nichts dafür, ich bin nur Statist in dieser Aufführung eines zehnten Novembers. Stattdessen koche ich mir eine Suppe, und ich habe das Gefühl, es ist die beste Suppe, die ich jemals gegessen habe. Nach all den Worten und dem Zuhören kann ich mich endlich hinsetzen, meine Suppe auslöffeln und ein Video schauen, bei dem ich zuschauen muss.

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Das Omen

Als ich in die Dunkelheit starrte.

Irgendetwas fühlt sich unvollendet an. Als gäbe es eine weitere Baustelle, an der ich arbeiten sollte, die ich jedoch vergessen habe. Ich weiß nicht, was es sein soll, ich kann mir dieses Gefühl nicht erklären. Immer mehr Blätter fallen, die Dunkelheit kommt immer früher. Ich nehme mir noch vor, einen Spaziergang zu machen, aber ich als mit Arbeiten aufhöre, ist die Sonne bereits untergegangen. Es bleibt also nur eins: Rauchend auf dem Beton zu stehen und in die Dunkelheit zu starren, als verberge sie ein uraltes Geheimnis, das nur ich mit einem unnachlässigen Blick zu ergründen vermöge.

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Der Herbsthimmel

Als ich weniger auf Bildschirme starrte.

Ich habe gute Gespräche. Nach dieser Woche kann ich die gut gebrauchen. Die Welt ist leicht verschoben, ich muss mir Mühe geben, mich durch die etwas dickere Luft zu bewegen. Alles wirkt etwas leichter, obwohl alles immer noch schlimm ist. Ich sitze in einem anderen Zimmer und schaue nicht die ganze Zeit auf einen Bildschirm. Es kommt mir vor wie eine neue Erfahrung. Ich mache mir einen Tee und starre in die Dunkelheit des Herbsthimmels.