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Die Kroketten

Als ich am Wegesrand saß.

Im Backofen sind die Kroketten dabei, gelbgolden zu werden. Oder welche Farbe sich das Werbetextteam auch immer für die Beschreibung des erfolgreich gegarten Endproduktes ausgedacht haben mag. Ich mag Kroketten seit ich weiß, was Kroketten sind, trotzdem esse ich selten welche, es ist eigentlich ein großes Mysterium.

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Das Knacken

Als ich Eiswürfel im Kaffee hatte.

Die Eiswürfel knacken nicht, oder ich hab sie nicht gehört. Die Entdeckung der Welt begann für mich mit einem Glas Orangensaft, in dem massive Eiswürfel dieses Geräusch von sich gaben und ich eine Erklärung suchte. Ich habe sie vergessen, aber sie existierte, was das wichtigste war. Aber in meinem kalten Kaffee knackten sie nicht, oder ich habe diesen merk- und denkwürdigen Moment verpasst, zu meinem großen Unmut.

Vor dem Fenster ist es wieder sonnig, zwei unangeleinte Hunde beschnüffeln sich neugierig.

Der Himmel über dieser Stadt

Als ich den Himmel über B. betrachtete

Letzte Woche hätte ich gesagt, dass ein paar freie Tage reichen würden, um meinen Kopf wieder klar zu kriegen. Jetzt scheint das Gegenteil der Fall zu sein, ich schwimme immer noch in Melancholie, ohne wirkliche Aussicht auf Linderung. Vielleicht wird alles noch einfacherer, oder komplizierter oder es bleibt einfach wie es ist. Ich sehe hoch zum Himmel und sehe keine Änderung, keine großartige Freiheit, nicht einmal mehr Feinstaub. Ich weiß nicht, was das heißt, aber vielleicht ist das auch ganz in Ordnung.

Immerhin starrt hier niemand wütend auf meine Haare.

Sitting (4)

Als Estragon mir die Tür öffnete.

Ein Briefkasten mit vielen Klingeln

(Teil 1, Teil 2, Teil 3.)

Ich brauchte eine Zeit lang, bevor ich realisierte, dass ich Estragons Nachnamen nicht auf den vielen Klingeln seines Wohngebäudes fand. Ich überprüfte die Messengernachricht, in der er mir seine Adresse geschickt hatte. Ein prüfender Blick auf das Nummernschild verriet mir, dass ich vor dem richtigen Haus stand. Eigentlich hätte Estragon mich auch gleich von der Arbeit aus mitnehmen können, aber er war etwas früher aufgebrochen. Sein müdes Gesicht hatte gegrinst und er gesagt, er müsse noch etwas erledigen.

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weekend reading 23

Als es wieder leckere Links gab.

eine Zeitung

Diese Woche habe ich keinen großen Artikel geschrieben, aber dafür online über die Treibjagd und die Konflikte, die es um diese Jagdform herum in Luxemburg gibt, geschrieben: Jagdgegner*innen allein auf weiter Flur. Grundsätzliches über die Jagd habe ich vor vielen Jahren auch einmal im Blog aufgeschrieben, ich glaube dass das immer noch alles mehr oder weniger stimmt. Auch diese sympathische Aktion junger Umweltaktivist*innen habe ich mir angesehen: Verkleidet gegen das Artensterben.

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Die endgültige Gewissheit

Als ich Quatsch redete.

Wir reden Quatsch, so wie angetrunkene Menschen es tun. Eigentlich rede nur ich Quatsch, und außerdem entschuldige ich mich gleich danach, weil ich nicht den Eindruck erwecken will, ein Mensch zu sein, der Quatsch redet. Niemand fühlt sich beleidigt, nur das Bier, das zu viel war.

Später sitze ich im Bus und betrachte die Wolken, die sich rosa verfärbt haben und überlege, was das über die Luftverschmutzung aussagt. Ich versuche, nicht zu viel darüber nachzudenken, was ich täglich so einatme und wie wenig mein Körper darauf vorbereitet ist, solche Dinge aufzunehmen. Immerhin ist meine Hirn fähig, aus den Lichtwellen, die auf meine Netzhaut prallen, etwas zusammenzustückeln, das ich (oder es?) als ästhetisch empfinde. Im Bus riecht es, als ob jemand ein gebratenes Hähnchen transportieren würde.

Ich möchte Innehalten und Zweifeln, aber dafür habe ich keine Zeit, keine Ruhe, keine Kraft. Es muss weitergehen, the show must go on, das schulde ich meinem Publikum, der großen Unbekannten. Die Wolken haben die gleiche Farbe wie die Metallstruktur, die den Graben, in den sie die Autobahn gebaut haben, absichert.

Letzten Endes gibt es keine Wahrheit, keine Gewissheit, keine Objektivität. Wenn ich auf meinen Handy diesen Text tippe, berühre ich es nicht wirklich, wenn ihr diesen Text liest, halluziniert ihr nur. Der Geschmack der Wassermelone dort, wo das Fruchtfleisch weiß und nahe der Schale ist, ist die einzige Konstante im Universum.

Die Unfallgefahr

Als ich mich als Verkehrshindernis wahrnahm.

Den ganzen Tag beklage ich mich, dass ich so müde bin, um am Abend dann doch wieder viel zu lange wach zu bleiben. Als könnte ich mich nicht dazu durchringen, tatsächlich einmal ausgeschlafen zu sein, als müsste ich mich selbst für meine augenringelnde Existenz bestrafen.

Meine Haare sind wieder grellbunt und auf der Straße starren mich alle an. Nicht die Fußgänger*innen, die eher versuchen, ihre Blicke noch zu verstecken, aber die Menschen in den Autos. Ein wenig habe ich Angst, demnächst einen Verkehrsunfall zu verursachen, weil irgendwer zu lange auf meine Haare gestarrt hat. Dabei wasche ich sie jeden Tag extra gründlich, damit sie etwas schneller einen Pastellton annehmen, der vielleicht nicht mehr so stark auffällt.

Zum zweiten Mal innerhalb zwei Tage hat der Bus, den ich nach Hause nehmen will, Verspätung und ich stehe an einer Bushaltestelle in gefühlten Nirgendwo und muss warten, während die Beinaheschonabendsonne auf mich niederbrennt und ich meine Kappe aufsetzen muss, um nicht allzusehr geblendet zu werden. Ich beneide alle Menschen, die sich einfach so eine Sonnenbrille kaufen und aufsetzen können. Sie wissen gar nicht, wie gut es ihnen damit geht. Aber immerhin verursache ich so keine Unfälle.

Die Fallhöhe

Als ich das Fenster offen hatte.

Es ist der erste kühlere Abend seit einer gefühlten Ewigkeit und ich versuche, die Hitze aus meinem Zimmer zu vertreiben. Ich denke an das Schwitzen der letzten Tage, an das Schwitzen des letzten Tages, an meine tiefe Zufriedenheit nach der Dusche, mit nassen Haaren auf dem von der Sonne aufgewärmten Stuhl sitzend. Glück, flüchtig, nicht fassbar, nicht einmal wirklich spürbar, bis es wieder verschwindet.

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